„Das Indische Tuch‟ von Edgar Wallace


Szenenbilder aus dem Stück

Echo Rosenheim vom 02.11 2011
Spannende Krimistunden am Salinplatz


„Boeing,Boeing‟ von Marc Camoletti


Szenenbilder aus dem Stück

OVB Rosenheim vom 13.06.2009
Backstage-Theater bringt "Boeing, Boeing"

„Tournee, Tournee‟ von Susanne von Loessl


OVB vom 06.06.2008
Tournee, Tournee

„Wie in einem Spinnennetz‟ von Agatha Christie



OVB vom 30.11.2007
Britische Mördersuche

Echo vom 04.12.2007
Wie in einem Spinnennetz


„Viel Lärm um Nichts‟ von Willhelm Shakespeare



OVB vom 1.12.2006
Zurechtgestutzes Welttheater

Echo-Wochenblatt vom 6.12.2006
„Viel Lärm um Nichts“ Backstage-Theater spielt Shakespeare

„Hexenschuss oder Der Bandscheibenvorfall" von John Graham



OVB vom 2.12.2005
Mühle der Verwechslungen

Gastspiel „Loriot: 11 dramatische Werke‟


Süddeutsche Zeitung vom Oktober 2005
Kampf um Kalbshaxe und Kosakenzipfel

„In der Löwengrube‟ von Felix Mitterer


Echo vom 3.11. 2004
Über die Lächerlichkeit des Faschismus
OVB 29.10.2004
Triumph in der Löwengrube

„Die Kurve‟ von Tankred Dorst


OVB vom 30.4/ 1.5 und 2.05.2004
Mit mehr Schwung in die Kurve
Echo vom 5.05. 2004
Eine „Tödliche Kurve " im Muessaal

„Loriot: Zehn dramatische Werke‟


Rosenheimer Nachrichten 06.04.2003 Vorankündigung
Backstage Theater spielt zehn «Dramen» von Loriot


Oberbayerisches Volksblatt Rosenheim vom 2/3. 05.2003
Ein Jodeldiplom für Frau Hoppenstädt

Rosenheimer Nachrichten 05.05.2003
Loriot im «Backstage» - ein «reizender» Abend

ECHO Rosenheim vom 7.05.2003
Loriot-Geschichten: Komik im Alltag

„Josef und Maria‟ von Peter Turrini


Oberbayerisches Volksblatt vom 29.10.2002
Für Glück ist es nie zu spät

ECHO Rosenheim vom 30.10.2002
Was vom Leben übrig bleibt

ROSENHEIMER NACHRICHTEN vom 25.10.2002
Die ewige Suche nach Liebe

„Die Kleinbürgerhochzeit‟ von Berthold Brecht


Oberbayerisches Volksblatt Rosenheim vom 26.04.2002
Alles geht aus dem Leim

Blickpunkt Rosenheim vom 29.04.2002
Die Kleinbürgerhochzeit

ECHO vom 01.05.2002
Ein äußerst vergnüglicher Abend mit Berhold Brecht

„Des Teufels Patente‟ von Richard Rötzer


Oberbayerisches Volksblatt Rosenheim 11.5.2001
Von einem arbeitslosen Teufel Uraufführung der Komödie "Des Teufels Patente"

Blick-Punkt Rosenheim vom 14.05.2001
Hölle 2001 Weltpremiere von "Des Teufels Patente" im Theater im Stall

ECHO Rosenheim vom 16.05.2001
Ein armer Teufel ohne Patente

„Drei Einakter‟ von Ludwig Thoma


Oberbayerisches Volksblatt Rosenheim 20/21. 05.2000
Dreimal Thoma im Stall

ECHO Rosenheim vom 24.05.2000
Milieustudien von Ludwig Thoma

(1) (2)


Echo Rosenheim 02.11 2011

Backstage Theater feierte Premiere mit "Das indische Tuch"

Nebelschwaden, Froschgequake, eine an Schwarz-Weiß-Filme erinnernde düstere Bühnenkulisse:
Das Backstage Theater Rosenheim setzte bei seinem diesjährigen Herbststück
"Das indische Tuch" von Edgar Wallace von Anfang an auf Gruselstimmung. Mit einem Großaufgebot von elf Schauspielern präsentiert Regisseur Mike Schwarz in dem fantasievoll als Theater umgestalteten ehemaligen Verkaufsraum am Salinplatz seine unterhaltsame und spannende Version des bekannten englischen Thrillers.

Miteinbezogen in das Geschehen - das Publikum. Gleich zu Beginn verweist in einem Vorwort Sergeant Totty (Uli Bogus Kigele) auf die Bedeutung der Zuschauer als "Zeugen", deren Befragung in der Pause erfolgen solle. Auch bat er, Chefinspektor Tanner (Peter Behrend) für dessen mangelnde Ermittlungserfahrungen zu entschuldigen, da dieser erst vor zwei Wochen zum Team gestoßen sei.
Dank Notizblock und perfekter schauspielerischer Leistung gelang es dem ermittelnden Beamten von Scotland Yard trotz dieses Mankos, die verwirrende Mördersuche aus dem Herrensitz "Marks Priory" zu einem - wenngleich auch nicht erfreulichen - Abschluss zu bringen.

In der gelungenen Inszenierung von Schwarz scheint fast jeder Akteur ein dunkles Geheimnis verbergen zu wollen. Einzige Ausnahme ist der sich vornehm zurückhaltende Diener Kelver (überzeugend dargestellt von Heinz Kästner), dessen Lieblingsspruch "Unser Herrgott hat eben einen großen Tiergarten" alles Unerklärliche auf himmlische Einflüsse schiebt.

Spannende Krimistunden am Salinplatz

Ganz anders Hausherrin Lady Lebanon (Valerie Waltenbauer). Die mit Adelsdünkel behaftete Mutter des infantil wirkenden Lord Lebanon (facettenreich gespielt von Andreas Reichert) will nicht nur mit aller Macht ihren Sohn mit Isla Crane (Anja Werner), der armen Nichte und unscheinbaren Sekretärin, vermählen, sondern hält aus scheinbar unerfindlichen Gründen ihre Hände schützend über den zwielichtigen Dr. Amersham (Ferno Biller) und den mysteriösen Butler Gilder (Nasser Eslami).

Was hat Dr. Amersham während seiner Zeit in Indien verbrochen? Was weiß Chauffeur Studd (Robert Reichert), der das Vertrauen Lord Lebanons genießt, über den Doktor? Wieso spioniert Gilder den Hausherren aus und welches Geheimnis verbirgt sich hinter der temperamentvollen Zofe Mrs. Jackson (Sonja-Angela Ziehr)? Aufreizender Lichtblick in der spannenden Kriminalstory ist Mrs. Tilling (Jasmin Braun), die trotz Ehestands freizügig mit den Herren der Schöpfung anbändelt und selbst mit Sergant Totty tändelt, um an Informationen zu gelangen. Besonderes Lob an die Bühnengestaltung.
Dank fließender Übergänge von Garten in Herrenhaus, Ballsaal, Bibliothek und Büro/Schlafzimmer gelingt es dem Ensemble, übergangslos Szenen an den unterschiedlichen Orten darzustellen.

Claudia Sieberath

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Echo Rosenheim 13.06 2009

Backstage-Theater bringt "Boeing, Boeing"

Das Backstage-Theater Rosenheim hat am Mittwoch, 17. Juni, um 20 Uhr Premiere mit dem Boulevardstück "Boeing, Boeing" von Marc Camoletti im Rosenheimer "Künstlerhof" am Ludwigsplatz.

Unter der Regie von Mike Schwarz spielen Roselinde Ebart, Marianne Bröder, Dubravka Kurz,
Eva-Lotte Steinigeweg, Andreas Reichert und Bernhard Materne.

Bernhard wohnt in der Nähe eines Flughafens und unterhält ein sorgfältig ausgetüfteltes Liebessystem mit mehreren Stewardessen verschiedener Airlines. Unvorhersehbare Ereignisse bringen sein Leben zwischen Start- und Landeerlaubnis durcheinander und bringt ihn in Turbulenzen. Sein Freund Robert sowie seine Haushälterin Bertha tragen das Ihre dazu bei, dass Bernhard das bekommt, was er verdient.

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Oberbayerisches Volksblatt Rosenheim 20/21. Mai 2000

Dreimal Thoma im Stall
Backstage-Theater spielt Thoma-Komödien


Das Theater im Stall in Kieling bei Stephanskirchen mit seinem passenden Ambiente hat sich Regisseur Horst Halser für drei Einakter von Ludwig Thoma ausgesucht. Mit seinem Ensemble vom Backstage-Theater setzte er die Einakter "Die Medaille", "Monika" und "Die Brautschau" lebendig in Szene.
Eine böse Satire auf das Beamten- und Bürgertum ist Ludwig Thomas "Medaille".
Eine lange Tafel wird von den Dienstmädchen Babette (Petra Biglmeier) und Anna (Regina Stuffer) gedeckt. Bezirksamtmann Heinrich Kranzeder (Paul Huppertz) bespricht mit seiner Gattin Amalie (Elisabeth Pawlowski) die bevorstehende Ehrung seine Amtsdieners Peter Neusigl (Walter Schöpf). Ein Festessen (unwillig von Frau Amalie ausgerichtet) soll Beamte und die von ihnen Regierten vereinen und außerdem noch Regierungsdirektor Steinbeissl (Horst Halser) beeindrucken zum Lob des Amtmanns. Authentisch besetzt ist jede Rolle: Elisabeth Pawlowski als arrogante und prüde Frau des Bezirksamtmanns, welchen Paul Huppertz mit all seiner Gefallsucht, seiner Humorlosigkeit und seinem Ergeiz sehr gut zeichnet. Ein vor der Obrigkeit katzbuckelnder Assessor ist Peter Pawlowski. Die Gruppe der Ökonomen von Siegfried Reil als Josef Hahnrieder, Michael Niggl als Johann Grubhofer und Christian Mareth als Josef Merkl ist eine gekonnte Milieustudie für sich. Unübertroffen spielt Fritz Butscher den Metzgermeister Jakob Lampl, herrlich in seiner schlitzohrigen Bauernschläue, die ihm auch schadlos Kritik an den hohen Herren ermöglicht.
Eine Bearbeitung von Marinus Brand ist die Komödie "Monika". Monika ist der Name einer abgewiesenen Braut. Ihre Mutter Seilerbäuerin von Huglfing (Monika Richter) klagt ihr Leid dem Rechtsanwalt Dr. Ludwig Thoma in seiner Kanzlei. Sehr schön gelingt Monika Richter die Darstellung gewisser Scheu vor dem Advokaten und Entrüstung über geschehene Schmach. Horst Halser ist Dr. Thoma, wie er leibt und lebt!
Ein Opfer der Premierennervosität wurden Anfänglich Brigitte und Walter Schöpf als Bauersleut Korbinian und Rosina Christl in der "Brautschau". Sie waren einige Zeit textverloren, doch bekam Walter Schöpf Szenenapplaus für sein "I versteh nix" auf eine vergebliche Souffleusenhilfe. Aufmüpfig gab Christian Mareth beider Sohn, Fritz Butscher als Jakob Elfinger war ein engargierter waschechter Schmuser, Michael Niggl ein recht nervöser Viehhändler Alois Palser, Regina Stuffer als Bauerntochter Ursula Geisberger und Petra Biglmeier als Gütlerstochter Maria Atzendorfer durften in einfältiger Wortkargheit oder gar stumm verharren.
Regisseur Horst Halser konnte mit seinen Ensemble nach einem sehr vergnüglichen Theaterabend den wohlverdienten Applaus entgegennehmen.

Margit Jacobi

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ECHO Rosenheim vom 24.Mai 2000

Milieustudien von Ludwig Thoma
Backstage Theater mit drei Einaktern des bayerischen Klassikers


Regisseur Horst Halser wählte drei Einakter des Autors aus, um sie im passenden
Ambiente des Theaters im Stall in Kieling /Stephanskirchen mit seinem Ensemble vom Backstage Theater aufzuführen. Eingestimmt von den Inntal Schrammel`n konnten die Premierengäste die Milieustudien auf treffende Art umgesetzt erleben. Alle Rollen waren sehr gut ausgewählt, die Charaktere authentisch wiedergegeben, liebevoll gestaltet die einzelnen Bühnenbilder.
Die Satire "Die Medaille" stellt Obrigkeitshörigkeit und die Kluft zwischen Beamten und den von ihnen Regierten dar. Paul Huppertz als Bezirksamtmann Heinrich Kranzeder und Elisabeth Pawlowski als seine Gattin Amalie sowie Peter Pawlowski als Assesor Karl.
Von Hingerl geben den "höher Gestellten" glaubwürdig ,überheblich Gestalt. Siegfried Reil als Josef Hanrieder, Michael Niggl als Johann Grubhofer und Christian Mareth als Josef Merkel verkörpern typengerecht die Ökonomen, Gerd Meiser den "besäuselten" Lehrer.
Hinreißend ist Fritz Butscher als schlitzohriger Metzgermeister Jakob Lampl.
In der Komödie "Monika" gibt Horst Halser einen waschechten Advokaten Dr.Ludwig Thoma und Monika Richter die rechtsuchende Mutter einer abgewiesenen Braut.
Bei der "Brautschau" – von Premierennervosität etwas durchsetzt – geht es ums Übergeben, doch nicht der Bauer (Walter Schöpf) und die Bäuerin (Brigitte Schöpf) und ihr Sohn(Chritian Mareth) gelten die Hauptpartien, sondern den geschäftstüchtigen Schmusern Jakob Elfinger (voll Temperament Fritz Butscher) und Alois Palser (ein genervter Kontrahent Michael Niggl), die am Ende die Geprellten sind.
Viel Applaus am Ende eines höchst vergnüglichen Abends belohnte den Regisseur und sein Ensemble.

Margrit Jakobi

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Oberbayerisches Volksblatt Rosenheim 11.5.2001

Von einem arbeitslosen Teufel
Uraufführung der Komödie "Des Teufels Patente"


Wenn die Hölle so menschlich und gemütlich ist ,wie in Richard Rötzers erster eigenwilliger
Komödie "Des Teufels Patente", die vom Backstage-Theater Rosenheim im Theater im Stall in Kieling uraufgeführt wurde, dann braucht man keinen Himmel mehr. In dieser Hölle lebt der umgängliche, aber von seiner Familie etwas genervte Satan (Michael Niggl) der von einem dicken Prälaten (Helmut Dengl) und Adolf Hitler (Frank Martin) stumm bedient wird.
Der grübelnde und unglückliche Satan, der sich sogar mit dem Gedanken trägt zu bereuen, wird von seiner sorgenden Frau Lilith (Elisabeth Pawlowski) an den Psychiater verwiesen. Zum Glück wohnt auch Dr. Freud (Peter Pawlowski) in der Hölle. Doch der schläft lieber auf seiner Couch und hilft dem Teufel auch nicht weiter. Schließlich will sich Satan selbst in einen Brief an Gott wenden. Ein recht bayerischer Nietsche im Rollstuhl (Fritz Butscher) soll ihm dabei helfen. Der spielt aber lieber Karten. Als sich schließlich der Erzengel Michael (Sehr streitbar Gerd Meiser) mit seinem Gehilfen Franz-Josef (Helmut Dengl als Strauß-Karikatur) einmischt und ihn anweist, sich aus allem herauszuhalten, reicht es dem Teufel, und er beschließt gut zu werden. Doch auch damit scheitert er.
Am Ende trifft der heruntergekommene Satan, der an der Bosheit der Menschen leidet, doch noch auf Gott selbst, den Regisseur Horst Halser als freundlichen, aber energischen Herrn spielt. Er gibt ihm den Rat, sich einfach rauszuhalten. Der Mensch werde vielleicht allwissend, aber nicht allweise.
Der Rosenheimer Autor Richard Rötzer versucht mit seinem Stück philosophische Probleme, wie die Frage nach der Herkunft des Bösen, und auch die aktuelle Problematik der Gentechnik, bei der sich der Mensch zum Schöpfer macht, auf amüsante, satirische Weise zu hinterfragen.

Raimund Feichtner

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Blick-Punkt Rosenheim vom 14.05.2001

Hölle 2001
Weltpremiere von "Des Teufels Patente" im Thater im Stall


Höllenmusik gepaart mit Harfenklängen des Komponisten Raphael Lichius empfing die Besucher der Welturaufführung "Des Teufels Patente" von Richard Rötzer im urigen "Theater im Stall" in Kieling bei Stephanskirchen. Unter der Regie von Horst Halser erlang ein neurotischer, von Wahnvorstellungen geplagter, stotternder und haareraufender Satan (Michael Niggl) der Vorstellung, die Welt könne auf Grund fortschreitender Genmanipulation des Bösen – und damit sein – überdrüssig werden.
In der von philosophischen Gedanken, literarischen Exkursionen zu Goethes Faust und Erlkönig sowie satirisch-politischen Seitensprüngen durchsetzten Komödie des Rosenheimer Erfolgsautors, versucht der Höllenfürst seine Kinder DNAmok (Christian Domnick), Mogelcom (Christian Mareth), Biotop (Petra Biglmeier) und Ecstasy Regina Stuffer) zum aktiven Widerstand gegen die fortschreitende Genmanipulation zu bewegen. Doch die Familie sieht in diesem biologischen Fortschritt keine Gefahr, sondern vielmehr einen "Selbstläufer für die Hölle". So bleibt der mit seinem Schicksal hadernde Satan mit seinen Drepressionen allein. Seine Frau Lilith (Elisabeth Pawlowski) schickt ihn, begleitet von den illustren Höllengehilfen und als stumme Diener Brillierender Hitler und Prälat (Frank Martin und Helmut Dengl) sogar zu Sigmund Freud (Peter Pawlowski), der zur Zeit in der Hölle weier über den Ödipuskomplex sinniert. Helfen kann dieser seinem fürstlichen Patienten allerdings auch nicht. Seine letzte Chance, dem gefählichen Treiben der Menschen Einhalt zu gebieten, sieht Satan in einem persönlichen Gespräch mit dem allermächtigen. Als auch dieses Unterfangen durch den Besuch des Erzengel michi (Gerd Meiser9 und seines Adlatus Franz-Josef (Helmut Dengl) scheitert, will der Teufel aus Trotz gut werden und findet sich als Arbeitsloser stupidem Bürokratismus ausgeliefert. Den menschlichen Ränken bei weitem nicht mehr gewachsen, fällt Satan in die Hände eines Sensationsreporters (Gerd Meiser) und versucht, zu guter Letzt sein Recht auf das Böse in einer Fernsehshow zu untermauern. Doch gegen blasierte Sachverständige und einen schleimigen Talkmaster kommt selbst Satan nicht an.
Völlig am Ende trifft Satan letztendlich doch noch Gott. Ein langes Zwiegespräch zwischen Himmel und Hölle führt zu der Erkenntnis Gottes (Horst Halser) "der Mensch braucht etwas, an das er glauben kann", folglich sieht er seine Existenz nicht bedroht und es gibt für IHN keinen Grund zum Handeln.
Mit der hintersinnigen, mit witzigen Wortspielen gespickten Komödie, wollte Rötzer sicherlich auf die Gefahr des technischen und biologischen Fortschritts aufmerksam machen und vor gedankenlosem Fortschrittsglauben warnen.
Witzige Highlights waren die kurzen Spots der Werbeteufelchen und Engel, sowie der Hexenreigen.

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ECHO Rosenheim vom 16.05.2001

Ein armer Teufel ohne Patente
Backstage-Theater Rosenheim inszeniert Premiere eine Stückes von Richard Rötzer im Theater im Stall in Kieling


Selbst der Teufel sorgt sich um die Entwicklung der Gentechnik, doch seine Bemühungen. Die Patente als alleiniger Schöpfer des Bösen zu erwerben, sind erfolglos. "Des Teufels Patente" heißt die hintersinnige Komödie in sechs Akten von Richard Rötzer, die Regisseur Horst Halser im Theater im Stall in Kieling bei Stephanskirchen mit seinem Backstage-Theater-Ensemble zur Urraufführung inszenierte.
In der Rolle des Protagonisten agierte Michael Niggl als Satan, ein angegrauter, schwer geprüfter Familienvater einer wahren Teufelsbrut, als da sind: der cholerische Dnamok (Christian Momnik), die enervierende "Fun-Fun"-Tochter Ectasy (Regina Stuffer), die siebengescheite Biotop (Petra Biglmeier), der aggressive Mogelcom (Christian Mareth), alle begeisterte Anhänger der neuen Gentechnik; und Ehefrau Lilith (witzig überspannt: Elisabeth Pawlowski).
Unbefriedigt bleibt auch sein Besuch beim Vater der Psychoanalyse, Sigmund Freud (Peter Pawlowski), der ebenfalls in der Hölle wohnt. Doch ein Teufel will vergessen, wo er sich erinnern soll. Selbst Nitsche, der große Philosoph (Fritz Butscher) legt nur noch Patiencen, sitzt im Rollstuhl und ist ihm keine Hilfe. Nicht mit dem Flammenschwert, doch mit Adlatus Franz Josef (urig: Helmuth Dengl) erscheint Erzengel Michael (in bester Präsent: Gerd Meiser) im Outfit des Blues Brothers und bringt knallhart den Befehl von oben "Finger weg von den Patenten!"
Ein trotziger Satan beschließt, fortan nur gut zu sein, doch die Menschheit übertrifft ihn im Bösen, da macht das Gute keine Freude! Im Arbeitsamt kann er beim sächselnden Sachbearbeiter (Christian Mareth) auf keinerlei Verständnis hoffen, ein bairisch-katholischer Beamter wäre dem Teufel lieber.
Ein armer Teufel schleicht am Ende durch den abendlichen Park mit Türkenkoffer und Schnapsflasche. Gott selbst sitzt neben ihm auf der Parkbank (Horst Halser als gelassener, doch selbstbewusster älterer Herr in der Rolle des Allmächtigen), um ihm und den Menschen seine Allweisheit aufzuzeigen. Die verschiedenen Ebenen Hölle, Erde, Himmel gestaltete Michael Wiese mit seinem Bühnenbild, in das sich die stummem Diener Hitler (Frank Martin) und Prälat (Helmuth Dengl) passend integrieren.
Die witzigen Pointen, kabarettistischen Anspielungen, die teuflische Problematik der Gentechnik, philosophische Betrachtungen über das Böse, All das sind interessante Passagen im Stück von Richard Rötzer.

Margrit Jacobi

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Oberbayerisches Volksblatt Rosenheim vom 26.04.2002


Alles geht aus dem Leim
Backstage-Theater spielt Brechts Farce
"Die Kleinbürgerhochzeit"

Alles geht aus dem Leim bei Bertolt Brechts "Kleinbürgerhochzeit": die vom Bräutigam selbst gezimmerten Möbel und die Fassade einer kleinbürgerlichen Anständigkeit. Missgunst, Eifersucht, Langeweile, Dummheit und vor allem unterdrückte sexuelle Gier sind zu Gast bei der kleinen Hochzeitsfeier des Bräutigams. Regisseur Horst Halser führte den Einakter Bertold Brechts mit seinem Backstage-Theater Rosenheim in einer frischen, heiteren Inszenierung im Mues-Saal in der Alten Spinnerei in Kolbermoor auf.
In Brechts früheren Werk aus dem Jahr 1919 spürt man desen Bewunderung für den großen Karl Valentin, den er in München kennen gelernt hatte. Wie Valentin führt er den Kleinbürger in seiner engen brüchigen Welt und seiner geistigen Beschränktheit vor. Und wie Valentin macht er es in "Die Kleinbürgerhochzeit" mit Witz, Slapstick und Humor. So durfte bei aller entlarvenden bitterbösen Gesellschaftskritik auch im Mues-Saal herzhaft gelacht werden.
Horst Halser und sein munteres Ensemble scheuten nicht die Heiterkeit, die in anderen Interpretationen dieser Farce oftmals zu kurz kommen. So inszenierte Halser sie im Stil und in der Kulisse eines Boulevardstücks der 70er Jahre und nahm sie nicht zu schwergewichtig ernst.
Der Regisseur und seine Akteure bieten ein Panoptikum an herrlichen Typen. Da gibt es den alten Vater der Braut (Sigi Reill), der die anderen Hochzeitsgäste ständig mit seinen unappetitlichen Geschichten nervt. Da gibt es die schürzenbewehrte Mutter des Bräutigams (Gisela Baumann), die nur ihre Kochkunst im Kopf hat. Da zeigen sich der schon etwas ältliche Bräutigam (Gerd Niedermayer) als Muttersöhnchen und seine Braut (Petra Biglmeier) als unglückliche Frau, die sich gern die schamlosen Avancen des ungehobelten Freundes (Christian Mareth) des Bräutigams gefallen lässt. Schamlos flirtet auch die Schwester der Braut (Christine Höhendinger) mit dem jungen Mann (Nico Foltin), der eher zufällig eingeladen wurde. Selbst das Bett des Brautpaares wird von dem Pärchen aufgesucht. Und da zeigt ein befreundetet Ehepaar (bissig Monika Richter und anfangs eingeschüchtert Günther Makulik), was das Brautpaar im künftigen Eheleben erwarten wird.
Im Laufe das Festes bricht die ganze Fassade bürgerlicher Anständigkeit und Sittsamkeit zusammen. Hinter ihr werden die Triebe, werden Eifersucht und Hass, Einsamkeit und Hilflosigkeit sichtbar, derweil kann der schlechte, selbstgemischte Leim die Möbel nicht zusammenhalten. Sofa, Schrank und Stühle brechen zum Spaß des Publikums auseinander.
Brecht und Horst Halser zeigen keine bösen Menschen, sondern das wirkliche Leben zwischen vermeintlichem Anstand und Triebhaftigkeit. Bei allen kleinen Katastrophen versuchen die Menschen weiterzumachen. Auch das Brautpaar rauft sich wieder zusammen, denn seine Gier aufeinander ist stärker als die vorher einander zugefügten Beleidigungen, Erniedrigungen und Verletzungen.
Das Backstage-Theater bot bei der Premiere eine rundum gelungene Aufführung. Zur Freude der Publikums hätten noch ein paar Möbel mehr kaputt gehen dürfen.

Raimund Feichtner

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Blickpunkt Rosenheim vom 29.04.2002

Die Kleinbürgerhochzeit
1. Mai um 20 Uhr im Mues-Saal Kolbermoor


"Es hat alles genau so geklappt, wie wir es uns vorgestellt haben.", freuten sich Regisseur Host Halser und sein Sohn Florian, der als Regieassisten fungierte, nach einer perfekten Premiere des Einakters "Die Kleinbürgerhochzeit" von Berthold Brecht im Mues-Saal Kolbermoor.
Das Bühnenbild zerbarst im richtigen Moment in seine Einzellteile, die Beleuchtung und Musik zauberten stimmungsvolle Szenarien und die Schauspieler ließen nicht einmal ansatzweise Schwächen erkennen. Mit einer faszinierenden Mimik spielte Christian Mareth den Freund des asketischen Bräutigams (Gerd Niedermayer), der mit seiner zottigen Ballade die hübsche Braut (Petra Bieglmeier) an den Rand eines Nervenzusammenbruchs treibt. Der Vater der Braut (Sigi Reil) läst in seinen derben Geschichten die Familienhistorie Revue passieren, während die gelangweilten Gäste sich am reichlich fliesenden Wein gütlich halten und von der Mutter des Bräutigams (Gisela Baumann) mit Kabeliaufilet und Schokopudding verköstigt werden. "Die Frau" (Monika Richter) ein Gast der Hochzeitsgesellschaft, lästert fortwährend über die selbstgeschreinerten Möbel des jungen Paares, gleichzeitig versucht ihr zurückhaltender Mann (Günther Makulik) den Schein der Schicklichkeit zu wahren.

Claudia Sieberath

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ECHO vom 01.05.2002

Ein äußerst vergnüglicher Abend mit Berhold Brecht
Phantastische Premiere vom Backstage-Theater mit der "Kleinbürgerhochzeit" im Mues-Saal


Rhythmusklatschen, Szenenapplaus und am Ende mehrere Vorhänge- schöner kann eine Premiere für ein Ensemble nicht laufen. Nicht nur Horst Halser, Regisseur des Backstage-Theaters und sein Sohn Florian, Regieassistent bei dieser mitreißenden Aufführung das Einakters "Die Kleinbürgerhochzeit" von Berthold Brecht, waren rundum zufrieden.
Auch das Publikum zeigte sich von der in die 70er Jahre transferierten Inszenierung begeistert.
"Amüsant, unterhaltsam, voller Verve, absolut überzeugend dargestellt, wie im richtigen Leben", waren nur einige der stets positiven Meinungen, die zufriedenen Zuschauer am Ende der Vorstellung äußerten. - Es hat aber auch wirklich alles gepasst. Die Kostüme und Frisuren spielten ebenso wie das Bühnenbild und die eingespielte Tanzmusik die Zeit wieder, die Möblierung zerfiel im richtigen Moment in ihre Einzelteile, die Beleuchtung zauberte stimmungsvolle Szenarien und die Schauspieler ließen nicht einmal ansatzweise schwächen erkennen. Gleich ob Textkenntnis oder Charakterdarstellung – das gesamte Ensemble spielte bravourös dieses bissige gesellschaftskritische Stück Brechts, dass mit seinem spitzen Humor und treffsicheren Spiegelbild einer spießbürgerlichen Gesellschaft die Zuschauer nicht nur zum Lachen sondern auch zum Überdenken eigener Verhaltensweisen anregte.

Claudia Sieberath

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Oberbayerisches Volksblatt vom 29.10.2002

Für Glück ist es nie zu spät
Turrinis Tragikomödie „Josef und Maria“ im Mues-Saal

Es ist nur eine kleine Geschichte. An Heiligabend 1991 treffen sich in der Personalgarderobe eines Wiener Kaufhauses die Aushilfsputzfrau Maria Patzak und der Wachmann Josef Pribil. Beide sind alt, bereits so um die 70. Beide sind allein. Niemand wartet auf sie, deshalb arbeiten sie. Beide haben endlich jemanden, dem sie ihr Herz ausschütten und von ihrem traurigen leben erzählen können. Und beide kommen sich schließlich näher. Sie beginne wieder, zu leben und zu lieben. Es ist eine kleine berührende Geschichte, die zeigt, dass es für das Glück nie zu spät ist.
Und meisterlich inszenierte Horst Halser vom Backstage Theater Rosenheim Turrinis Stück mit Helmut Niedermeier und Friederike Haider von der Innthaler Bauernbühne Rosenheim in den Hautrollen im Kolbermoorer Mues-Saal. Die beiden Hauptdarsteller boten Amateurtheater auf höchstem Niveau.
Halser schafft zu Anfang die richtige Atmosphäre. Einmal durch das überaus gelungene Bühnenbild von Michael Seemeier, das die Rückseite der Kaufhausglitzerwelt zeigt, die etwas heruntergekommene Personalgarderobe mit alten Blechspinden und dem ebenso alten Waschbecken. Durch das Fenster des Kaufhaussprechers leuchtet aus den Verkaufsräumen ein großer Christbaum herein. Halser schafft aber auch Atmosphäre durch das genaue und langsame Spiel. Müde und abgekämpft beenden die Verkäuferinnen ihre Arbeit und reagieren nicht einmal mehr auf die Weihnachtswünsche des Kaufhaussprechers (Nico Foltin).
Als das Kaufhaus endlich leer ist, erscheint in der Garderobe eine scheinbar vornehme Dame mit Pelzmütze und Einkaufstaschen, die sich aber in die alte Aushilfsputzfrau Maria verwandelt, ihren alten Kassettenrekorder anstellt und zu „La Paloma“ von Hans Albers zu putzen beginnt, bis der Wachmann Josef dazukommt. Maria erzählt ihm mit Begeisterung von der Zeit als Varietetänzerin in Tirana vor dem Krieg, mit Bitterkeit von der unglücklichen Ehe, vom Sohn und seiner Frau, die die alte Mutter nicht einmal Weihnachten bei sich zu Hause haben wollen.
Friederike Haider sprach passend und gekonnt mit leichtem Wiener Einschlag. Sie spielte beinahe perfekt die zu kurz gekommene einsame Frau mit schillernder Vergangenheit. Allerdings: wie eine Siebzigjährige wirkte sie nicht. Etwas Schminke hätte schon geholfen.
Helmut Niedermeier sprach zwar durchgängig bayerisch, war dagegen der alte Mann, der unverheiratete Freidenker und Altkommunist, der dem Nazi-Todesurteil, aber danach nicht dem faschistischen Nervenarzt entkam. Josef ist auch als Kommunist ein Übriggebliebener. Er glaubt noch an die alten Ideale. Niedermeier gab ihm Wut und Würde zugleich.
Beiden Schauspielern gelangen wunderbare, eindringliche und berührende Moment, bitter und komisch zugleich. Ergreifend auch der Schluss. Josef, der immer einsam und allein war, weiß nicht ob er kitzlig ist. Maria kitzelt ihn im Bett. Er muss lachen und sagt als Letztes ganz lapidar: „Erstaunlich!“. Das wäre auch das passende Ende gewesen, doch die Zuschauer mussten sich mit ihrem angemessen großen Beifall gedulden, bis die Schlussmusik endlich ausgeblendet wurde.

Raimund Feichtner

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ECHO Rosenheim vom 30.10.2002

Was vom Leben übrig bleibt
Neufassung von Turrinis „Josef und Maria“
im Mues-Saal Kolbermoor

In einigen Wochen ist es wieder soweit und im Muessaal in Kolbermoor erklang bereits jetzt die typisch vorweihnachtliche Kaufhaus-Musikberieselung. Der Regisseur Horst Halser hat seine Inszenierung der Neufassung von Peter Turrinis meisterlichem Stück „Josef und Maria2 zur passenden Zeit angesetzt und sich mit Friederike Haider als Maria und Helmut Niedermeier als Josef (beide von der Inntaler Bauernbühne Rosenheim) exzellente Protagonisten erwählt. In der Kulisse der schäbigen Personalabteilung eines Wiener Kaufhauses spielt die Begegnung von zwei alten, einsamen Menschen am Heiligen Abend. Michael Seemeier schuf die stimmige Atmosphäre der Bühne mit blechernen Kleiderspinden, altem Waschbecken und im Kontrast dazu den Durchblick ins Kaufhaus mit glitzerndem Weihnachtsbaum. Erschöpfte Verkäuferinnen verlassen mürrisch ihren Arbeitsplatz, von „Fröhlicher Weihnacht“ wollen sie nichts mehr hören. Maria Patzak legt ihre Weihnachtspäckchen ab, auch ihre Perücke und verwandelt sich in eine Aushilfsputzfrau, auf die niemand wartet. Voll Bitterkeit ist ihr Ruf ins Durchsage-Mikro nach dem Sohn, der sie auch heute nicht sehen will, damit er seinen Frieden mit seiner Frau hat.
Für den Wachmann Josef Pribil, Freidenker und alten Idealen verhaftet, ist dieser Abend nicht heilig.
Horst Halser gestaltet die Begegnung zweier „Übriggebliebener“ mit sehr viel Sensibilität. Friederike Haider gibt der Figur der Maria glaubwürdig alle Facetten in ihrer Erzählung von der Ehemaligen flitternden Varietetänzerin in Tirana, über die unglückliche Ehefrau, verbitterte Mutter bis sie am Ende zur anrührender Zärtlichkeit gebenden und erwartenden Frau wird. Die leicht Wienerische Einfärbung ihrer Sprache, die nie verlernten Tanzschritte, alles gelingt Friederike Haider auf sehr stimmige Weise. Freilich fehlen ihr altersmäßig viele Jahre im Vergleich zu Turrinis „Maria“, doch das vergisst der Zuschauer bald. In Helmut Niedermeier hat sie einen absolut ebenbürtigen Partner, der hier zwar eher Bayer als Wiener ist, doch in der Qualität eines professionellen Schauspielers die Rolle des Josef meistert. Er erschüttert in seinen Berichten über die Folter durch Nazischergen, in der Verlesung seines Abschiedsbriefs an seine „nie erlebte Frau“. Die Wut, die Bitternis des ledigen Altkommunisten, sein anfänglich fast autistisches Verhalten, sein „Rudolfo-Valentino-Auftritt“ und die endliche, scheue Berührung im Kaufhausbett, seine Fassungslosigkeit über ein geschenktes Spielzeugauto sind großartig in Szene gesetzt.
Zauberhaft das Schlussbild und das letzte Wort: „Erstaunlich sagt Josef, als er durch Maria zum ersten Mal erleben darf, daß er kitzlig ist.“ Wenn sich die Beiden mit dem Rücken zum Publikum aneinander lehnen und dann leise hinausgehen ist ein berührender, sehr eindringlicher und bemerkenswerter Theaterabend zu Ende gegangen, der in Erinnerung bleiben wird.

Margrit Jakobi

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ROSENHEIMER NACHRICHTEN vom 25.10.2002

Die ewige Suche nach Liebe
Premiere in Kolbermoor: Turrinis „Josef und Maria“

......eine unglaubliche Herausforderung an die Schauspieler. Zumal sie nicht täglich auf der Bühne stehen., gleichwohl ausgewiesen hervorragende „Amateure“ sind. Regisseur Horst Halser (Backstage Theater Rosenheim) fand sie- als wär` dieses Stück für sie geschrieben – bei der Inntaler Bauernbühne: Friederike Haider und Helmut Niedermeier.

Beide noch längst nicht im Seniorenalter, bewältigen die Wandlung zu alten Menschen, deren Gedanken gefangen in ihren Erinnerungen kreisen, mit einer Intensität, die kalten Schauer, Erstaunen, Mitleid und Mitgefühl weckt, und die Allgegenwärtigkeit der Einsamkeit im alter messerscharf seziert. Menschen, die erst langsam ihr geschundenes Dasein der Wirklichkeit anpassen.

Halsers Regie ist zurückhaltend, facettenreich, beinahe spielerisch, unaufdringlich intensiv. Einfühlsam, bewegend die Tanz-Choreographie von Doris Gilles-Hörfurter. Zögerlich und unbeholfen, unsicher, gleichwohl furios tanzen sich Josef und Maria in ein so lange vermisstes Liebesgefühl hinein, das dann in einer wunderbar zärtlichen Szene im Kaufhausbett mit Preisschild und frischem Leintuch endet. Weihnachtszeit-Wunderzeit? Der Zuschauer kann dieses Wunder miterleben, glauben. Ein lange ausklingendes phantasievolles Schlussbild-händchenhaltend, vorsichtig umschlungen im weichen Dämmerlicht, man fürchtet fast den lauten Beifall.

Fritz Birkner

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Rosenheimer Nachrichten 06.04.2003 Vorankündigung

Backstage Theater spielt zehn «Dramen» von Loriot

Wer hat nicht schon mal Tränen gelacht über die komisch-unergründliche, tiefgründige Oberflächlichkeit des Wortwitzes eines Loriot? Vom Fernsehen, vom Kino kennt man ihn, den Vicco von Bülow, der hauptsächlich mit seiner Partnerin Evelyn Hamann Humor und Satire in manchmal höchster Vollendung, mit sparsamster Mimik auf die liebenswerte Spitze trieb... .
Es ist schon ein Wagnis, wenn Schauspieler sich von den großen, bekannten Vorbildern lösen und – auf sich allein gestellt oder im Duo – Loriot’s Lachmuskel-Reize auf die Bühne bringen. Das Rosenheimer «Backstage Theater» wagt es – und man darf gespannt sein auf das Experiment. Horst Halser führt Regie bei zehn ausgewählten «Dramen», die zum Teil noch gar nicht auf der Bühne zu sehen waren.
Etwa die «Parkuhr», an der die Politesse fast dem Nervenzusammenbruch nahe kommt. Das Stück ist wohl noch nie auf der Bühne gespielt worden.
Und daher erhebt sich schon im Vorfeld die drängende Frage: Wie kommen auch noch Autos auf die Bühne?
Allein die Titel lassen auf einen Schmunzel- und Lachabend hoffen: Die «Liebe im Büro», die «Eheberatung», oder der Lottogewinner, der Staubsaugervertreter und nicht zuletzt das «schiefe Bild» an der Wand, das zur Raserei treibt...!
Wer die bisherige Arbeit des Rosenheimer Regisseur Halser kennt, kann getrost erwarten, dass er seine acht Schauspieler im Kolbermoorer «Mues-Saal» zu schauspielerischen und dramaturgischen Höchstleistungen bringt. Und damit die Zelluloid-Vorbilder vergessen lässt... .
Warum Loriot eigentlich nur «Kurz-Dramen» verfasst hat? Vicco von Bülow hat in der ihm eigenen Diktion selbst die Antwort gegeben: «Infolge mannigfaltiger Belastungen durch Beruf, Familie und Freizeit ist der moderne Mensch kaum noch imstande, sich auf ein mehrstündiges Bühnenwerk zu konzentrieren. Aus diesem Grunde überschreitet so gut wie keines meiner Dramen eine Länge von fünf Minuten. Damit sind sie dem sie dem biologischen Rhythmus von Menschen und weißen Mäusen angepasst».
Man darf also auf einen kurzweiligen, fröhlichen, tief- und hintergründigen Abend gespannt sein. Premiere ist am Mittwoch, 30. April, 20 Uhr, im «Mues-Saal» der Alten Spinnerei in Kolbermoor. Weitere Aufführungstermine: 2., 3., 4., 9., 10., 11., 16., 17. Mai, jeweils 20 Uhr. Einlass und Bewirtung bereits um 19 Uhr. Am Sonntag, 18. Mai, ist um 11 Uhr eine Matinee.
Kartenvorverkauf: beim Backstage Theater Rosenheim (Tel. 88020), Buchhandlung Levin, Kolbermoor (Tel. 299280), Rosenheim Ticket (Tel. 4000000), Musikhaus Bredschneider (Tel. 32212), jeweils mit der Rosenheimer Vorwahl 08031.

Fritz Birkner

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Oberbayerisches Volksblatt Rosenheim vom 2/3. Mai 2003

Ein Jodeldiplom für Frau Hoppenstädt
Backstage-Theater Rosenheim spielt Loriot

Guten Bekannten wie Herrn Blüml und Frau Hoppenstädt begegneten die Besucher der Theaterpremiere „Zehn dramatische Werke von Loriot“ auf der Bühne im Mueussaal in Kolbermoor. Horst Halser hatte die Sketche inszeniert. Es ist bereits seine zwölfte Regiearbeit in Folge mit dem Backstage-Theater. Einige der Darsteller hatten schon in früheren Loriot-Aufführungen mitgewirkt und die jetzt mit ihnen agierten sorgten für eine vorzügliche Mischung.
Gleich zu Beginn wurde auch das Publikum eingebunden in den Unterricht der Jodelschule mit gestrenger Stimmendressur. Sigi Reil als „Lehrkörper“ erklärte die Grundmotive des Erzherzog-Johann-Jodlers und nur Frau von Liliencrom (Elisabeth Pawlowski) beherrschte das 2. Futur bei Sonnenaufgang fehlerfrei. Dafür war Frau Hoppenstädt (Christine Höhendinger) das Erringen des Diploms von großer Bedeutung: „Da hat man etwas Eigenes, Wenn die Kinder aus dem Hause sind.“
Während des raschen Umbaus bei Szenenwechsel durch die zwei hübschen Latzhosenträgerinnen Andrea Hönemann und Angelique Sutherland (sie hatten nicht nur diese „tragenden Rollen“), wurden die Besucher schwungvoll mit Liedern der Comedian Harmonists im Originalsound auf die nächsten Szenen eingestimmt. Das jeweils passende Ambiente hatte Michael Seemeier mit aufwändiger Ausstattung und den entsprechenden Requisiten gestaltet.
Nach der Pause versucht Heinz Kästner im Anstandsunterricht seinem Kandidaten kultiviertes Verhalten bei Tisch beizubringen und Michael Niggl löst dabei Lachsalven aus im Publikum. Auch als Karl-Heinz Melzer mit erotischen Anwandlungen im Büro (mit Christine Höhendinger als Fräulein Dinkel) und bei der Eheberatung, wo er seine Handtaschenschnappende Frau ( Elisabeth Pawlowski) nicht küssen will, ist Niggl köstlich. Bei der Schlussszene „Das schiefe Bild“ schafft er es nach besten Slapstick-Beispiel, ein wohlgeordnetes Wartezimmer in Minutenschnelle in ein totales Chaos zu verwandeln.

Margrit Jacobi

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Rosenheimer Nachrichten 05.05.2003

Loriot im «Backstage» - ein «reizender» Abend

Kolbermoor/Rosenheim – Es ist schon ein Wagnis, gegen große Fernseh-Vorbilder im Theater anzuspielen. Allein dieser Kampf entbehrt nicht einer gewissen Komik, gleichwohl auch Dramatik. Denn - da spukt die Evelyn Hamann im Kopf herum. Groß, schlank, stoisch. Und Loriot höchst selbst, Vicco von Bülow, ebenfalls von unerschütterlicher Ruhe, von nervender Gleichmut, steif, staksig, unbeholfen.
Da haben es die Christine Höhendinger, kleiner, rundlicher, gleichwohl kalkweiß geschminkt, der Sigi Reil und Michael Niggl natürlich schon schwer, nicht einfach zu kopieren und für die in den Köpfen der Zuschauer vorgegebene Darstellung ihre eigene Persönlichkeit, Sprache und Gestik zu entfalten. Und die komische Rolle, wenn nicht angeboren, ist so ziemlich das Schwierigste, was einem Schauspieler widerfahren kann. Horst Halser, an Schwieriges gewohnter Regisseur des Rosenheimer Backstage-Theaters, hat seinen Schauspielern – acht an der Zahl – viel abverlangt.
Nach Turrinis beeindruckendem Weihnachtsstück «Josef und Maria» – jetzt also Komik auf der Bühne im «Mues-Saal» in Kolbermoor. «Zehn dramatische Werke von Loriot». Szenen, seziert aus dem täglichen Leben. Skurrile, komische, verzerrte, auf die Spitze getriebene Wort-Spielereien. Grammatikalisch korrekte Schachtelsätze von halbseitiger Länge im Drehbuch, die oft ganz weit weg vom Ausgangspunkt der Szene enden – wie so manches Gespräch, bei dem keiner zuhört und man vom Hundersten ins Tausendste kommt.
Meisterhaft beherrscht Vicco von Bülow die deutsche Sprache – und das, genau das ist das Faszinierende an den «Dramen», über die man mal laut, mal leise lachen kann. Ja, das ist es, was den «Loriot» so einmalig unnachahmlich macht. Die Sprach-Kunst des Autors, auf den Leib geschrieben dem Komiker. Dem Menschen, der sich selbst nicht so ernst nimmt.
Sprachbeispiel: «Der unbekannte Verkehrsteilnehmer hatte unrichtig auf die Beschädigung dieser Parkuhr hingewiesen, in die er ordnungsgemäß keine Parkmünze eingeworfen hatte, da er in den für den Münzeinwurf bestimmten Münzeinwurf der anderen Parkuhr ordnungsgemäß eine Münze eingeworfen hatte. Die bei versäumter rechzeitiger Nachzahlung im Sichtfenster sichtbare rote Kontrollscheibe dieser Parkuhr war daher sichtbar...». Ein skurriles Stück entlarvender Sprach-Akrobatik. Und die Szene vor Augen: Die Polizisten drumrum, zwei alte ratlose Leute, und die Politesse in Originaluniform mit schwarzem Umhängetascherl, das Rosenheimer Papp-Wappen drauf.
Da fühlt sich doch jeder Rosenheimer Parksünder massiv erinnert an ein eigenes Erlebnis, an die heimischen Politessen und die wunderschöne, typisch deutsche Beamtensprache, die unser Leben wie eine Hydra im Griff hat. Loriot hat’s auf den Punkt gebracht, was wir täglich an unserer Sprache verbrechen.
Christine Höhendinger als dem Nervenzusammenbruch nahe Politesse hat das verinnerlicht. Sie hat sich für die Bühne diese Sprache zu eigen gemacht. Ihr nimmt man diese Rolle ab, ohne gleich an die Hamann zu denken, das versteinerte fahlweiße Gesicht, die starre Mimik, die betont deutlich-langsame Sprechweise, von Loriot vorgegeben – das alles wird ein herrliches Stück Komik, menschelndes, allzu menschliches – komisches Theater.
Ihre Partner: Michael Niggl, Sigi Reil – auch sie bemüht, das Vorbild nicht einfach nur zu kopieren, was manche publikumserheiternde Übertreibung zur Folge hatte. Sie haben ihr bestes gegeben – urkomisch, natürlich, dem Vorbild nahe, das Publikum zu spontanem Lachen und Beifall reizend. Wie beim «Aufbruch» zum Abendessen: Die Frau schminkt sich, während der Mann Zeitung liest und – weil er nicht über Politik reden soll, er nun doch pausenlos über Politik redet und die Frau schließlich zu dem Schluss kommt, dass Frauen und Männer nicht zusammenpassen... .
Diese beiden Szenen – Politesse und Schminken – sie waren noch nie auf einer Bühne zu sehen. In sie hat Regisseur Halser seine ganze dramaturgische Energie gesteckt – mit Erfolg. Es waren die intensivsten. Kein Klamauk, ein echtes Kammerstück á la Loriot.
Wie überhaupt viele hübsche Einfälle den Theaterabend zu einem fröhlichen machen. Die Musik – von Mozart beim Entree bis Comedian Harmonists zu den Szenen, im Parkuhren-Drama zwei Motorroller auf der Bühne – statt wie im Film Autos, opulente Ausstattung und viel Liebe zum Detail.
Komisch ist, was zum Lachen reizt, definiert der Duden. In diesem Sinne - ein «reizender» Abend.

Fritz Birkner

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ECHO Rosenheim vom 7.5.2003

Loriot-Geschichten: Komik im Alltag
Eine Inszenierung von Horst Halser mit seinem Backstage-Theater

„Ich heiße Erwin Lottemann, bin seit 66 Jahren Rentner und eröffne im Herbst mit dem Papst eine Herrenboutique in Wuppertal.“ Wer von uns kennt nicht den herrlichen Sketch von Loriot über den geplanten Lottogewinner Lindemann bei seiner x-fachen Ansage im Fernsehen. Der Regisseur Horst Halser hatte schon vor fünf Jahren etliche Loriot-Geschichten mit seinem Backstage-Theater inszeniert. Nun hatte er sich weiteren zehn „Dramatischen Werken „ Vico von Bülows angenommen und sie mit seinem Ensemble auf der Bühne im Muessaal in der Alten Spinnerei in Kolbermoor in Szene gesetzt. Vor wechselndem Bühnenbild (Michael Seemeier) mit aufwändiger Ausstattung, rollengerecht geschminkt von Marianne Sabo, frisiert von Susanne Loferer, und musikalisch aufs Beste begleitet vom Gesang der Comedian Harmonists vom Band zeigten die Darsteller Christine Höhendinger, Elisabeth Pawlowski, Andrea Hönemann, Angelique Sutherland, Heinz Kästner, Christine Mareth, Michael Niggl, Sigi Reil auf höchst vergnügliche Weise die Komik im menschlichen Alltag auf. Ob in der Jodelschule (mit Diplom!), beim verzögerten Aufbruch zur Party („hetz`mich nicht!“), beim Vertreterbesuch, wo die Marke „Oberföhringer Vogelspinne“ eher ein pelziges Gefühl auf der Zunge der Hausfrau auslöst, oder beim Nervenzusammenbruch einer überforderten Politesse und der zungenbrecherischen Ansage über die vergangenen Folgen einer weiterlaufenden Fernsehserie in englischer Sprache: Textsicher und ihren Loriot´schen Vorbildern in Mimik und Gebaren treffend ähnlich agieren die Darsteller in ihren Rollen vorzüglich.
Begleitet von Ravels dramatischem „Bolero“ entwickelt sich bei der letzten Szene „ Das schiefe Bild“ auch das Geschehen auf der Bühne immer dramatischer: Schlag auf Schlag zelebriert Herr Blüml ( Michael Niggl) die Veränderung vom geordneten Wartezimmer zum totalen Chaos mit Bravour.
Ein amüsiertes Publikum bedankte sich für den humorigen Theaterabend bei Horst Halser und seinem Ensemble mit großem Applaus.

Margrit Jacobi

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OVB 30.4/ 1.5 und 2.5.2004

Mit mehr Schwung in die Kurve
Premiere des Backstage-Theaters im Kolbermoorer Mues-Saal

Eine makabre Geschichte erzählt der deutsche Dramatiker Tankred Dorst mit seinem 1960 uraufgeführten Theaterstück „Die Kurve“. Jetzt feierte das Backstage-Theater damit im Mues-Saal in Kolbermoor Premiere.
Die Brüder Anton und Rudolf leben an und von einer gefährlichen Bergstraße mit ihren halsbrecherischen Kurven. Wen ein Wagen „ die Kurve nicht kriegt“, fällt er den beiden als leichte Beute vor die Hütte. Rudolf repariert die Unfallwagen und verkauft sie, Anton bestattet würdig die Verkehrsopfer mit sorgfältig ausgearbeiteten Leichenreden. Wenn das Reisewetter gut ist und die Nachmittagssonne im richtigen Winkel blendet, haben die beiden ihr gutes Auskommen. Dennoch beruhigt Anton immer wieder sein gewissen mit Eingaben ans Ministerium, um die lebensgefährliche Kurve entschärfen zu lassen.
Als der zuständige Ministerialdirigent Kriegbaum eines Tages rein zufällig in die Kurvenfalle plumpst, überlebt er wider Erwarten den Absturz. Das ist gegen die Spielregeln. Uns als er auch noch verspricht, für die künftige Sicherheit dieser Straße zu sorgen, wird es für Rudolf und Anton zur Existenzbedrohung. Während ihm Anton die eigene Grabrede vorträgt, wird klar, dass, wer überleben will, sein Wahrheitsempfinden abtöten muss. Und so vollenden die Brüder, was die Kurve im ersten Anlauf nicht geschafft hat. Auch Dr. Kriegbaum wird schließlich begraben.
Tankred Dorst hat diese Stück mit seiner absurd-möglichen Realität als Farce konzipiert und schlug vor, es „ nicht ganz mit dem tödlichen Ernst einer lebensechten Wirklichkeit“ zu spielen.
Regisseur Horst Halser vertritt wohl eine andere Auffassung. Durchgehend lässt er Werner Faltlhauser als Skrupulösen Anton in hochgezogenen dramatischem Ton am Rande der Hysterie spielen und stellt ihm den Bruder Rudolf (Witgar Neumaier) hölzern und mit ungelenker Sprechweise als genau den „ganz Stumpfen Menschen“ gegenüber, als den Anton ihn beschimpft. Am stärksten wirkt das gegensätzliche Brüderpaar, einerseits genervt und andererseits schwer berührbar, im stummen Spiel, mit dem es zu Beginn des Stücks noch einige erwartungsvolle Spannung aufbaut. Dem optisch gut besetzten Paul Huppertz als Dr. Kriegbaum bleibt, meist auf den Auto-Sitz-Thron in der Mitte der Bühne gebannt, wenig Raum für die kraftvolle Entwicklung von Emotionen. Zudem ist er in seinem sprachlichen Ausdruck schwer verständlich. Dadurch gerät die Figur etwas blasser, als es ihrem katastrophalen Schicksal zustünde. Dicht, dynamisch und fühlbar bedrohlich ist endlich das Dreiergespräch, mit dem sich der Schluss des Stücks zuspitzt.
Es ist sicher notwendig, an einer Farce mit dem bebotenen Ernst zu arbeiten, aber ein bisschen Leichtigkeit ließe das Rabenschwarze an der Geschichte mit mehr Schwung in die Kurve gehen.

Von Renate M. Mayer

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Echo 5.Mai 2004-11-23

Eine „Tödliche Kurve „ im Muessaal
Tankred Dorsts Einakter gespielt vom Backstage-Theaters

Das Geschäft mit dem Tod betreiben die beiden Brüder Rudolf und Anton: Sie wohnen am Fuß eines Felsens, von dem ab und zu ein Auto herunterfällt, weil es die Kurve oben nicht gut erwischt hat. Für die beiden eine „fette Beute“...
Die makabre Geschichte schrieb Tankred Dorst als Einakter, mit dem ihm 1961 der Durchbruch gelang. „Die Kurve“ steht in der Tradition des absurden Theaters. Der Regisseur Horst Halser brachte das Stück mit Ensemble-Mitgliedern seines Backstage-Theaters auf die Bühne im Muessaal in Kolbermoor. “This is the road to hell“, die Musik zu Beginn verheißt nichts Gutes...Zur Linken stecken Kreuze in er Erde, statt der Namen der Verstorbenen tragen sie Autonummerschilder. Witgar Neumaier ist als Rudolf ein „gestandenes Mannsbild“, das die Unfallwagen repariert und verkauft. Dieser Prakmatiker hat keine Gefühle für die Toten, wofür auch? Die „Kurve“ verschafft ihm Arbeit und seinem Bruder, den er bezahlt, schließlich auch. Ein bisschen eingraben, zuschaufeln, ein paar Blumen pflanzen, das ist doch nicht viel verlangt! Bruder Anton, gespielt von Werner Faltlhauser mit dicker Goldkette um den Hals und Goldring im Ohr, ist schon rein äußerlich der krasse Gegenpart. Er deklamiert emotionsgeladen aus seinen Grabreden, die er für die Begräbnisse der Verstorbenen schreibt. Dazu echauffiert er sich über die Gefahren der tödlichen Kurve. Seine 24 Eingaben an den zuständigen Ministerialdirigenten Dr. Kriegbaum blieben ohne Antwort. Doch das 25. Opfer ist der Ministerialdirigent. „Spiel mir das Lied vom Tod! Ist die Begleitmusik zur Diskussion der Brüder über ihren „Fang“, der als erster den Fall aus der Kurve überlebt. Sehr authentisch gelingt Paul Huppertz die Verkörperung des Dr. Kriegbaum. Den ehrgeizigen unersetzlichen Ministerialrat, dem im Laufe des Geschehens seine Selbstsicherheit genommen wird, bringt Huppertz anschaulich in Mimik, Gestik und Rede zur Geltung, während Anton und Rudolf in ihrem Wesen von der Regie stark schwarz-weiß gezeichnet wurden.
Nach der sich langsam stark aufbauenden Spannung entsteht größte Dichte im letztendlichen Dialog der drei Personen.
Der liebliche Jodler von Hubert von Goiserns Alpinkatze setzt dem makabren Ende noch ein Sahnehäubchen auf. Schwarzer Humor ist ein Wesensteil des absurden Theaters, das immer für Überraschungen gut ist, wie diese Inszenierung von Horst Halser.

Von Margrit Jacobi

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Echo vom 3.November 2004

Über die Lächerlichkeit des Faschismus
Backstage Theater brilliert mit „In der Löwengrube“ im Mues-Saal

Schellack-Schlager aus den 30ern als Entree, Wechsel zu spannungsgeladener klassischer Musik, feurig leuchtende Einblendung der Jahreszahl 1933 auf die Bühnenkulisse. Das Publikum taucht ein in die Premierenaufführung „Der Kaufmann von Venedig“ mit dem jüdischen Schauspieler Arthur Kirsch (brillant gespielt von Martin Metzger) in der Rolle des Juden Shylock. Als dieser voller Emotionen gesteht: „ Ich bin ein Jude“ ertönen lautstark „Buh-Rufe“ und Pfiffe aus dem Auditorium des Mues-Saals. Es entsteht Aufruhr im Saal, die in lautstarken Forderungen „Juden raus“ gipfeln. Die Premierengäste der bewegten Inszenierung des Stücks „ In der Löwengrube“ von Felix Mitterer durch das Backstage Theater fühlen sich zurückgesetzt in die Zeit der Nationalsozialisten, sind selbst Teil der Handlung, überrascht ob der unvorhergesehenen Pöbeleien, geschockt und sprachlos.
Durchatmen kommt erst wieder auf, als der völlig entnervte Theaterdirektor Meisel (Jörg Herwegh) die Vorstellung abbricht. Eindrucksvoll gelingt es den Regisseuren Horst Halser und Michael Schwarz, die Gefühle des Shakespeare-Ensembles in Szene zu setzen.
Gefühle und Stimmungen, die gewiss auch das Ensemble um den jüdischen Schauspieler Leo Reuß bewegen, dessen Lebensgeschichte den authentischen Hintergrund des Stücks bildet.
Während der Direktor um das Überleben seines Theaters fürchtet und daher beschließt, Kirsch sofort zu entlassen, setzt sich die junge Olga (Christine Höhendinger) vehement für ihren erstklassigen Schauspielkollegen ein. Strassky ( Christian Blunser) entpuppt sich als Brüllender Parteigänger der Nazis, der die Mitläufer Polacek (Gerd Niedermayer) und den unentschlossenen Jakschitz (Günther Makulik) ohne Schwierigkeiten beherrscht. Aufrichtig leid tut Kirsch dem sympathischen Bühnenmeister Eder ( Kurt Viehmann), doch auch dieser bedauert „ich habe Familie“ und zieht sich ebenfalls zurück. Selbst die von Kirsch innig geliebte Gattin und gefeierte Schauspielerin Helene Schwaiger ( Susanne Braune) verlässt unter den Deckmantel „Geld für die Familie verdienen zu müssen“ Mann und Kinder- ihre Karriere geht der hübschen und ehrgeizigen Künstlerin vor.
Kirsch fliegt angeblich in die Schweiz, landet jedoch bei dem hilfsbereiten Bergbauern Höllrigl (Christian Mareth), lernt perfekt bayrisch und beschließt als schauspielender Almbauer mit nachweislich arischem Stammbaum als Höllrigl an seinem alten Theater Karriere zu machen und sich an seinen Verrätern zu rächen.
Die Verwandlung Kirschs in Höllrigl gelingt so perfekt, dass nicht nur das Saalpublikum, sondern auch Kirschs ehemaligen Schauspielkollegen sich von dem urwüchsigen Bauernburschen, der selbst von Goebbels als Naturtalent bewundert wird, hinters Licht führen zu lassen. Nach und nach erkennen ihn doch Bühnenmeister, Direktor und Schauspielkollegen. Bevor die Gestapo (Sepp Gießibl und als Gaststar von Bayern 1, Achim Zeppenfeld) allerdings zuschlagen können, verlässt Kirsch diesmal für immer die „Löwengrube“.
Applaus an das gesamte Ensemble, das Mitterers sehr schwieriges Stück hervorragend gemeistert hat. Minimale Bühnenutensilien, ein eindrucksvolles Kulissenbild, gelungene Ton- und Lichttechnik sowie eine ideenreiche Inszenierung, die den gesamten Mues-Saal als Bühne mit einbezog, ließen die Jahre der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten zum Leben erwecken, ohne jedoch den Zuschauer in tiefe Depression zu stürzen. Vielmehr gelang dem Backstage Theater mit dem Stück „Die Dummheit des Rassenwahns eines totalitären und zynischen Regimes der Lächerlichkeit Preis zu geben“, so Halser. 40 Proben waren nötig, bis „ In der Löwengrube“ stand- doch das Ergebnis lässt sicher manch Profitheater erblassen.

Von Claudia Sieberath

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OVB 29.10.2004

Triumph in der Löwengrube

Auch wenn die Situation und das Spiel in der Löwengrube lebensgefährlich sind, so entbehrt es nicht der Komik, wie Arthur Kirsch als vermeintlicher Bergbauer Höllrigl seine Schauspielerkollegen und die nationalsozialistischen Schergen und Größen an der Nase herumführt. Felix Mitterer bietet mit seinem Stück «In der Löwengrube» verschiedene Möglichkeiten der Inszenierung: einmal als komödiantische Farce vor ernstem Hintergrund, zum anderen als dramatisches Schauspiel mit heiter-entlarvenden Sequenzen. Horst Halser und Michael Schwarz inszenierten Mitterers Stück «In der Löwengrube» mit dem Backstage-Theater Rosenheim im Kolbermoorer Mues-Saal, unterhaltsam und mit Engagement, ohne sich für eine der Möglichkeiten entschieden zu haben. Der fast zu jugendlich wirkende Martin Metzger spielte Arthur Kirsch mit bemühter Ernsthaftigkeit: dilettantisch als dilettierender Kleindarsteller Kirsch, dem Shakespeares Kaufmann von Venedig, Shylock, noch eine Nummer zu groß ist, sicher auftrumpfend als vermeintliches, bayerisch polterndes Naturtalent Höllrigl, der seine früheren Nazikollegen durch Intrigen der Gestapo ausliefert. Susanne Braune hatte die Rolle seiner karrieresüchtigen und untreuen Frau Helene Schwaiger, die Kirsch mit den Kindern flüchten lässt und sich wegen ihrer Filmambitionen mit den braunen Machthabern arrangiert und mit Dr. Goebbels wohl mehr als nur diniert. Den glamourösen Star zu mimen, blieb leider nur ein Versuch. Glaubhafter war sie in den intimen Szenen der Reue, nachdem Helene ihren Mann in Höllrigl sehr spät erkannt hatte.Voll brutaler Direktheit spielte Christian Blunser den SA-Mann Strassky, der mit seinen Schauspieler- und SA-Kollegen, dem unterwürfig-anbiedernden Polacek (Gerd Niedermayer) und Jakschitz (Günter Makulik), Arthur Kirsch aus dem Theater verjagt. Gerd Niedermayers Spiel gefällt, wenn er, von Höllrigl selbst als Jude verunglimpft, vermeintlich jüdische Züge an sich entdeckt und dem Suff verfällt. Günther Makulik spielt schnörkellos den jugendlichen Theaterhelden und Liebhaber Helenes. Ebenso ehrlich, aber bei der Premiere noch etwas unsicher wirkte Christine Höhendinger als Olga Sternberg, die als einzige zu Arthur Kirsch hält und sich schließlich selbst als Halbjüdin entpuppt. Ein aufrechter Mann in der Löwengrube ist Bühnenmeister Eder, den Kurt Viehmann ebenso aufrecht ungekünstelt spielt.Versuchten diese Akteure ernsthaft zu schauspielern, so persiflierte Jörg Herwegh seine Rolle als Theaterdirektor Meisel, der nur für seine Kunst lebt und sich widerwillig mit den neuen Machthabern arrangiert. Er machte daraus - schauspielerisch gewiss überzeugend -die Parodie eines nervösen, verängstigten Menschen, die jedoch der sonstigen dramatischen Anlage der Inszenierung nicht entsprach.Mitterers Stück selbst aber vermeidet auch die logische, mörderische Realität. Es wird wohltuend publikumsfreundlich, beinahe märchenhaft, wenn zum Schluss Kirsch über alle triumphiert und ihn sein Freund, der plötzlich erscheinende Höllrigl, vor der Verhaftung rettet.Einfach, aber gelungen war das Bühnenbild von Michael Seemeier und Anamari Ivic, das mit einer Kulisse aus dem «Kaufmann von Venedig» einen Bühnenraum darstellte und schließlich zum schwarzen Allzweckraum wurde. Ebenso passten die zumeist authentischen Kostüme, für die Veronika Herwegh verantwortlich war. Beklemmend die braunen SA-Uniformen, aber weniger authentisch für die 30er Jahre war die bayerische Kluft der beiden Höllrigls.Eine Besonderheit bei der Premiere war der routiniert absolvierte Auftritt des Moderators von Bayern 1, Achim Zeppenfeld, im Rahmen einer Theateraktion des Radiosenders als Gestapo-Beamter. Diese Rolle wird bei den weiteren Aufführungen von Sepp Gießibl übernommen.

Von Raimund Feichtner

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Süddeutsche Zeitung – Oktober 2005

Kampf um Kalbshaxe und Kosakenzipfel
Backstage Theater Rosenheim führt in Haar Loriots „Dramatische Werke“ auf

Weil sich Victor von Bülow alias Loriot mit seinen „Dramatischen Werken“ im Hinblick auf die Konzentrationsfähigkeit des Zuschauers an den „biologischen Rhythmus von Menschen und weißen Mäusen“ angepasst hat, dauert keines seiner Bühnenwerke länger als fünf Minuten. Mit elf dieser brillianten Szenen, in denen sich der Cartoonist und Satiriker mit so fundamentalen Themen wie Erwachsenenbildung, Ehealltag oder Kultur und Fernsehen auseinandersetzt, hat am vergangenen Wochenende das „Backstage Theater Rosenheim“ das Publikum im „Kleinen Theater“ amüsiert.
Gleich zweimal, am Samstagabend und am Sonntagvormittag (mit Brunch) strapazierten die sieben Rosenheimer Schauspieler unter der Regie von Horst Halser mit der gelungenen Inszenierung der absurden Sketche die Lachmuskeln der Haarer Zuschauer.
Natürlich ist es eine gewaltige Herausforderung, jene legendären Szenen, die man so grandios von Loriot und seiner Sketchpartnerin Evelyn Hamann aus dem Fernsehen kennt, nachzuspielen. Doch die Truppe aus Rosenheim machte ihre Sache gut. Weil mit Kostümen, Maske und Gestik die Typen so gut getroffen waren, die Loriot in Szene setzt, störte das teilweise etwas bemühte „Schriftdeutsch“ der bayerischen Darsteller nicht sonderlich. In der „Jodelschule“, bei der das Publikum gemeinsam mit Frau Hoppenstedt beim „Holleri di dudl do“ in die Tiefen des dadaistischen Silbensalates eintauchen durfte, passte das Idiom sowieso.
Dass ein Mann mit seiner Frau besser nicht über Politik reden sollte, wenn diese sich gerade die Nägel lackiert („Aufbruch“) oder dass man, wenn man Hermann heißt und einfach nur unschuldig im Fernsehsessel sitzt, empfindlich das Putzbedürfnis der Angetrauten stört („Feierabend“), vermittelte sich an diesem Abend mit erschreckender Authentizität. Verfremdende Dialoge wie von Wum und Wendelin, Wortklaubereien und ins Groteske überspitzte Konflikte in der zwischenmenschlichen Kommunikation machen den Reiz in Loriots „Dramatischen Werken“ aus.
Hinreißend war Paul Huppertz als Herr Hoppenstedt im Kampf um den „Kosakenzipfel“ und als verhinderter Esser der „Kalbshaxe Florida“ („Schmeckt´s?“), eine artikulationsakrobatische Glanzleistung legte Fernsehansagerin Christine Höhendinger im Clinch mit „Thaddle Nather und Thoddle Nether“ bei der berühmten „Inhaltsangabe“ hin. Auch der Fernsehabend ohne Fernseher (Monika Richter und Christian Mareth) oder die „Liebe im Büro“ (Christine Höhendinger und Michael Niggl) hatte ihre grotesken Höhepunkte.

Roswitha Grosse

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OVB 2.12.2005

Mühle der Verwechslungen
Premiere des Backstage-Theaters im Künstlerhof

Erste Voraussetzung für spritziges Boulevardtheater sind geistreich-schlagfertige Dialoge. Meist kommen dazu Verwechslungen und größere Turbulenzen.
Das Ganze muss man wie bei einem guten Cocktail rühren oder auch schütteln und alles dann servieren mit Tempo, Tempo und nochmals Tempo. Michael Schwarz hat das in seiner Inszenierung der Komödie «Hexenschuss» unter der Produktion von Horst Halser wohl bedacht und auf der Bühne des neuen Künstlerhofes in Rosenheim gelungen in Szene gesetzt. Der britische Autor John Graham ist bester Garant für amüsantes Textmaterial. Es spielte das Ensemble des Backstage-Theaters auf farbenfroh gestalteter Bühne mit knallroter Couch, einem giftgrünen Duschvorhang und blauen und gelben Wänden. Hier rollt eine verwirrende Handlung ab, die sich zielstrebig zum totalen Chaos entwickelt.

Christine Höhendinger spielt Chorsängerin Sally mit dem Drang zum Karrieresprung und mit «telegenetischen» Eigenschaften mit viel Engagement als eher brave Ehefrau auf mehr Um- als Abwegen und hetzt dabei immer entnervter durch die Kulisse.
Martin Niedermeier gibt einen ziemlich verängstigten «Seitenspringer», dem man eher den Moralapostel als den sexhungrigen Halbprominenten abnimmt.Natürlich darf Martin Metzger in seiner Rolle als Pilot und Ehemann mit nicht ganz sauberer Weste eine bessere Figur abgeben, die er im Laufe des Spiels auch immer glaubwürdiger gestaltet.
Thomas Rausch als blinder Klavierstimmer Mr. Phips bringt die enervierende Einmischung in alle Situationen gut auf den Punkt. Dabei geht er seiner Arbeit am Klavier kaum und auch nahezu tonlos nach.
Horst Halser mit Igelkopf-Frisur bereitet sein Part als Arzt Dr. McKenzie und vermeintlicher Klempner viel Vergnügen und er gibt den Spaß nahtlos ans animierte Publikum weiter. Seine klugen Sprüche kommen aus Reader`s Digest oder von den griechischen Philosophen.
Schwung und herrlichen Spaß bringt Susanne Braune als flotte Stewardess Annabell ins Geschehen. Hinreißend, wie sie ihre Erotik, ihr Temperament einsetzt, mühelos die Wirkungen der «Zeitverschiebungen» veranschaulicht. Sie ist der «zündende Funke» der Inszenierung.
Dagegen hat es Monika Richter in der Rolle der perfekten Managerin Jocelyn Standing natürlich nicht so leicht, überall Vergnügen zu bereiten, dafür bekommt sie genügend Lacher, als sie durch die Mühle der Verwechslungen gedreht wird. Wenn am Ende die Geschichte wieder beginnt, wie sie ihren Lauf nahm, haben sich die Zuschauer bestens unterhalten und genau das soll gutes Boulevardtheater ja.

Von Margrit Jacobi

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ovb vom 1.12.2006

Zurechtgestutzes Welttheater


Es ist schade, wenn trotz großen Engagements und großer Mühe doch nicht das erwünschte Ergebnis erreicht wird.
Regisseur Michael Schwarz hatte sich mit seinen Akteuren vom Backstage-Theater Rosenheim an eine große Komödie der Weltliteratur gewagt und brachte «Viel Lärm um Nichts» von William Shakespeare um Einiges zurechtgestutzt auf die Bühne des Rosenheimer Künstlerhofs. Michael Seemeier lieferte mit einer dreiteiligen Drehkulisse ein geschicktes Bühnenbild, bald Garten, Innenraum oder äußeren Hof darstellend.Die Spieler gaben sich redlich Mühe und lärmten, keiften, litten, rissen ihre Witze, intrigierten gar böse und versöhnten sich schließlich. Wendet sich in der Komödie letztlich alles zum Guten, so kann man das vom Spiel nicht schreiben, denn die schauspielerischen Voraussetzungen für dieses große Stück Welttheater waren leider nicht gegeben. Zu bemüht witzig und lebendig und doch zu statisch war das Spiel, zu betont und doch zu unsauber die Sprache, zu unsicher saß bei manchem der Text. Bemüht waren auch die Einfälle der Regie, wie der Reigen der Damen zu moderner Tanzmusik, die technisch brillante Breakdance-Einlage, die Didgeridoo-Klänge beim nächtlichen Aufmarsch.
Doch das schwierigste Problem bei einer Amateurbühne sind nicht spielerische Unzulänglichkeiten, sondern ist die richtige Besetzung von schwierigen Rollen bei einer begrenzten Menge von zur Verfügung stehenden Akteuren. Susanne Braune ist zwar eine schöne Frau, aber gewiss keine junge, etwas naive Hero, zu der der gar jugendlich-bodenständige Matthias Winzek als Claudio passte. Christine Höhendinger spielte mit Schwung, aber dann doch etwas zu überdreht die vermeintliche Männerfeindin Beatrice, die sich mit dem gar nicht so galligen Christian Mareth als Benedikt heftige Wortduelle liefert. Überfordert war sie in ihrer Doppelrolle als Konstabler Holzapfel. So wurden die eigentlich herrlich absurden Szenen mit dem blöden Konstabler und seinen Wachen verschenkt. Da müssen die Pointen sitzen. Witz entsteht erst durch Genauigkeit und Ernst. Um Heiterkeit zu erzeugen, darf man nicht witzig sein wollen. Klaus Wiegand, augenscheinlich ein Bühnenneuling, versuchte Don Pedro, den Prinzen von Aragon, zu verkörpern. Martin Schönacher, weitaus versierter im Spiel, war mit vorgestrecktem Kinn sein bös-intriganter Stiefbruder Don John. Theaterchef Horst Halser spielte im weißen Anzug ganz ordentlich einen mal jovialen, mal aufbrausenden Gouverneur Leonato.
Für die weiteren Aufführungen ist den Akteuren zu wünschen, dass sie ihre Premierennervosität noch ablegen. Dann wird's besser werden.

Von Raimund Feichtner

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echo-Wochenblatt vom 6. Dezember 2006

„Viel Lärm um Nichts“ Backstage-Theater spielt Shakespeare

Nach seiner erfolgreichen Komödie „Der Hexenschuss“ nahm sich Michael Schwarz für seine neueste Regiearbeit in einer textreduzierten Fassung Shakespeares „Viel Lärm um Nichts“ vor, eine Aufgabe, die nicht zuletzt lange und intensive Probenzeit sowie geeignete Darsteller fordert. Leider hat der Regisseur bei der Auswahl unter den Akteuren des Backstage-Theaters dieses Mal keine so glückliche Hand bewiesen.
Auf der Bühne im Künstlerhof in Rosenheim präsentiert sich gut gelungen das Bühnenbild von Michael Seemeier: Vor schwarzem Hintergrund läßt sich ein großes symbolisches Element zu drei verschiedenen Ansichten drehen, deren Bemalungen den jeweiligen Ort der Handlung veranschaulichen. Markus Seemeier zeichnet für stimmige Beleuchtung. Beim nächtlichen Maskenfest wird getanzt, geflirtet. Hip-Hop-Musik und eine rasante und sehr gekonnte Breakdance-Nummer bringen zwar Schwung in den Reigen der Gäste, wirken aber isoliert vom übrigen Geschehen. Horst Halser als Gouverneur Leonato im attraktiven weißen Anzug ist ein höflicher Gastgeber und besorgt-strenger Vater. Von Matthias Winzek in der Rolle des frisch verliebten Claudio wünscht man sich mehr spielerisches Engagement. Christian Mareth als seinem Freund Benedick gelingt die Wandlung vom spöttischen Hagestolz zum heiß Verliebten ganz gut. Christine Höhendinger als Beatrice, sein weiblicher Gegenpart, ist lange mehr ein widerspenstiges Käthchen, bis sie ihre Zuneigung zeigen will. Zugleich musste sie als Einspringer im Part des zackigen Konstablers agieren. Im Stechschritt und mit hastigem Redefluss wurde daraus hektisch Unverständliches.
Hübsch ist die Szene mit Hero und ihrer Gesellschafterin Margarete bei den Hochzeitsvorbereitungen. Das Spiel von Susanne Braune und Christine Jell ist erfreulich natürlich, wenngleich diese Hero nicht wie bei Shakespeare vorgesehen ein sehr junges Mädchen, sondern eine schöne Frau ist. Klaus Wiegand dagegen als Don Pedro, Prinz von Arragon, hat sicht- und hörbar Probleme mit seiner Rolle. Wieviel dem Premieren-Lampenfieber zuzuschreiben ist, wird sich in weiteren Aufführungen zeigen.

Margrit Jacobi

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Oberbayerisches Volksblatt Rosenheim vom 30.11.2007
Britische Mördersuche

An die 70 Krimis, Kurzgeschichten und Bühnenstücke schrieb die englische Autorin. Regisseur Horst Halser erwählte für seine Inszenierung mit dem Backstage-Theater im Künstlerhof Rosenheim das Kriminalstück «Wie in einem Spinnennetz». Aufwendig gestaltet ist das Bühnenbild (Michael Seemeier und Anamari Ivic eines englischen Salons mit dunkler Holzvertäfelung, Rot gemusterter Tapete, purpurfarbenem Diwan, kleinem Sekretär, Bridgetisch, einer Bücherwand und einem Kristalllüster. In dieser Kulisse bewegen sich die Personen des Stückes und zu Beginn ist da außer Clarissa Henderson-Brown (Christine Höhendinger) , der jungen Lady des Hauses, noch eine Leiche, die auf dem Teppich unter dem Tisch liegt. Eine recht gefasste Mrs. Henderson-Brown stellt eine Bridge-Partie zusammen und empfängt auch relativ gelassen ihre Freunde Sir Rowland Delahay (Ferno Biller), Hugo Birch (Thomas Rausch) und den smarten Jeremy Warrender (Martin Metzger). Die sollen ihr beim Wegschaffen der Leiche behilflich sein und mit hartnäckiger Überredungskunst sind sie dazu bereit, doch taucht da überraschend Polizeiinspektor Lord (Christian Mareth) auf. Zwar gelingt es dem Freundesteam noch, den Toten in ein Versteck im Haus zu schaffen, doch die immer verstrickenderen Umstände nehmen ihren Lauf, und plötzlich verschwindet auch noch die Leiche.Der typisch englische Humor spielt natürlich auch eine Rolle und den in deutscher Bearbeitung zum Tragen zu bringen, ist nicht immer leicht. Manchmal blitzt etwas von «very british» auf in Christine Höhendingers Darstellung von Coolness als Clarissa Henderson-Brown und in den besonnenen, für Vernunft und Wahrheit plädierenden Ratschlägen des Sir Rowland Delahay, den Ferno Biller in Szene setzt. Thomas Rausch, der den ängstlich um seinen Ruf bedachten Bezirksamtmann Hugo Birch verkörpert, darf zaudern und zögern. So einer will beim Verhör von Nichts etwas wissen. Alert dagegen windet sich Jeremy Warrender aus dem Netz der Verdächtigungen, den Martin Metzger als forschen Freund und eleganten Golfer spielt. Bewegung ins Geschehen bringt Mildred Peak, und Roselind Ebart verleiht der Rolle Temperament und die nötige Chuzpe. Christian Mareth als Polizeiinspektor Lord zieht die Fäden in diesem Spinnennetz bei der Suche nach dem Mörder, aber deckt er den Täter auf? Den Hauptpart im Stück bewältigt Christine Höhendinger im geblümtem Kleid der Landlady, die um keine Ausrede verlegen ist, in bewährt gekonntem Spiel. Auch der kleine Tim Schreffl überzeugt in seinem kurzen Auftritt. Michael Schwarz darf in einer Doppelrolle hauptsächlich stumm agieren. Die spannende Handlung, der man etwas mehr Tempo wünscht, bereichern Johannes Friebel, Stefan Ettinger und Sebastian Gieck mit der stimmigen Musik.
Natürlich soll nicht verraten werden, wer denn nun der Mörder des zweiten Gatten der ersten Mrs. Henderson war, denn den Spaß, das bis zum Schluss vielleicht selbst herauszufinden, soll niemand dem Zuschauer nehmen.
Am Ende konnte Regisseur Horst Halser mit seinen Darstellern den lang anhaltenden und herzlichen Applaus des Premierenpublikums entgegennehmen.


Margrit Jacobi

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ECHO Rosenheim vom 04.12.2007

„Wie in einem Spinnennetz“

Nicht nur der Mörder wird gesucht in dem Kriminalstück „Wie in einem Spinnennetz“ von Agatha Christie, nein auch die Leiche verschwindet aus dem Versteck. Regisseur Horst Halser inszenierte die spannende Handlung mit dem Ensemble des Backstage Theaters und brachte es auf der Bühne im Künstlerhof Rosenheim zur Aufführung.
Wenn sich der Vorhang hebt, die auf ominöses Geschehen einstimmende Musik verebbt (Johannes Friebel, Stefan Ettinger, Sebastian Gieck), wird ein aufwändig ausgestattetes Bühnenbild sichtbar.

Der englische Salon eines Landhauses ist Holz getäfelt, die Tapeten haben gemustertes sattes Rot, ein gleichfarbener Diwan, eine Bücherwand und ein Bridgetisch, an dem die junge Lady des Hauses Karten arrangiert, sind zu sehen. Ein edler Lüster beleuchtet die noch friedliche Szene, - doch halt !
Auf dem Teppich unter dem Tisch liegt ein Mann. Zweifelsohne ist er tot und die Ursache für den Besuch der Freunde (Ferno Biller als Sir Rowland Delahay, Thomas Rausch als Bezirksamtmann Hugo Birch und Martin Metzger als smarter Golfer Jeremy Warrender) von Lady Clarissa Henderson-Brown (Christine Höhendinger). Sie hat die Gentlemen um Hilfe gebeten, die Leiche muss sofort aus dem Haus geschafft werden. Gleich wird ihr Gatte mit hohem Besuch zurückkehren. Leider erscheint auch Polizeiinspektor Lord (Christian Mareth).
Der Tote war der zweite Mann von Henry Hendersons erster Frau. Christine Höhendinger ist ganz die coole junge englische Mrs. Henderson Nummer zwei. Sie findet ideenreich Ausreden für seltsame Vorgänge, doch der Inspektor, den Christian Mareth als ruhigen, aber hartnäckig Suchenden verkörpert, zweifelt daran.
Ferno Biller als ihr Vormund Sir Rowland Delahay vertritt glaubwürdig den auf Ehrlichkeit bedachten Freund. Hugo Birch dagegen ist nur auf seinen guten Ruf bedacht und Thomas Rausch gibt ihm die Figur eines ängstlichen, Spießers. Viel beredter ist dagegen Jeremy Warrender und Martin Metzger verkörpert ihn als alerten und sehr smarten Burschen.
Rosalind Ebart als Mildred Peak, die Haushälterin und Gärtnerin, bringt temperamentvoll etwas Schwung in die unterkühlte britische Verhaltensweise und Tim Scheffl überzeugt als kleiner Stiefsohn von Clarissa.

Jeder könnte in diesem verworrenen Spiel, das etwas mehr Tempo vertrüge, der Mörder sein. Am Ende durften sich Regisseur Horst Halser und seine Darsteller über den herzlichen und lang anhaltenden Applaus des Publikums freuen.

Margrit Jakobi

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OVB vom 06.06.2008

„Tournee, Tournee“

Amüsanter Blick in Damengarderobe
Die Zuschauer sehen natürlich immer nur, was bei einem Theater auf der Bühne passiert. Was aber vor, während und nach dem Spiel hinter den Kulissen geschieht, deckte Susanne von Loessl in ihrer Komödie «Tournee, Tournee» auf.
Die Autorin war extra aus Hamburg angereist, um der Uraufführung ihres Stückes mit dem Backstage-Theater im Künstlerhof in Rosenheim beizuwohnen.Regisseur Mike Schwarz schuf eine gelungene Gestaltung zweier Ebenen in stimmiger Beleuchtung. Der meist bespielte Platz ist die Damengarderobe, davor fungiert ein Laufsteg als Theaterbühne innerhalb der Geschichte, die Susanne von Loessl amüsant und gut beobachtet (sie ist selbst Schauspielerin) geschrieben hat. Wenn also ein Ensemble auf Tournee durch die Lande reist, hundert und mehr Vorstellungen zu bewältigen hat, dann passieren diverse Pannen und Affären, gibt es Eifersüchteleien, Zank, Stress, aber es entsteht auch ein Gefühl der Zusammengehörigkeit.
Inspizient und Tourneeleiter Siegi kommt zu Beginn aus dem Off auf die Bühne, schleppt Requisiten und wird von der resoluten Garderobiere Maria (Rosalinde Ebart poltert und plappert sich mit sächsischem Akzent lautstark durch ihr «Revier) sogleich wegen seines papageienbunten Sakkos gehänselt. Andreas Geißbauer als Siegfried Bock hat von Beginn an Spaß an seiner Rolle und die Zuschauer belohnen ihn am Ende mit besonderem Applaus.
«Die gefährlichen Liebschaften» von Choderlos de Laclos werden auf dieser Tournee gespielt und die drei Aktricen dürfen ihr Spiel auf und hinter der Bühne treiben. Inge Gfrörer-Kötschau in der Rolle der Yvonne Nagel ist Anhängerin der makrobiotischen Ernährung, was, wie sich später herausstellt, einen durchaus ernsten Grund hat. Ob am Schminktisch oder als Marquise de Merteuil, sie gibt eine gute Figur ab. Christine Höhendinger als horoskopgläubige Claudia Knoll und Madame de Tourvel hatte als Einspringerin schon vor der Premiere im Künstlerhof die Karten für die Besucher zu vergeben. Dieser zusätzlichen Belastung ist wohl auch zuzuschreiben, dass sie ihren Part manchmal zu schrill überzog. Mit schöner tiefer Stimme aber durfte sie in der Garderobe ihren Kolleginnen singend versichern «I love men», was kurz vor dem Auftritt hinter den Kulissen einer «echten» Bühne in dieser Lautstärke wohl eher kaum passiert. Doris Loy gibt die junge Schauspielerin, die aus ihrer Motorradkluft in das Kostüm der Cecil de Volanges schlüpft und den anderen die Unbekümmertheit der Jugend voraus hat, der aber die Erfahrenheit von deren Rollengestaltung fehlt. Dem Vicomte de Valmont verleiht Horst Halser sonor Stimme, dazu ist er als Darsteller Diego, den man nur hört, nicht sieht,«ein Casanova mit Hormonstau», laut Aussage der Garderobiere. Französische Textpassagen aus den «Liebschaften» sind immer wieder eingestreut, der Flachmann kreist und hilft Lampenfieber und Hektik zu dämmen. Natürlich darf auch eine richtige Panne, in der zwei der Hauptdarsteller im Stau stecken bleiben, nicht fehlen. Das ist die Chance für die bühnentext- sichere Garderobiere Maria, den Part der Madame de Tourvel, und für den sich erst sträubenden Inspizient Siegfried, die Rolle der Marquise de Merteuil zu übernehmen. Beide stellen diese Figuren witzig und gelungen auf die Bühnenbretter.

Vivaldi erklingt, dazwischen Popmusik und das Spiel im Spiel bietet schon durch die Vorlage amüsante Passagen. Diese in strafferer Koordinierung temporeicher zu servieren, wäre Aufgabe der Regie. Nachdem sich der Premierenstress gelegt hat, könnte sich das mehr und mehr einspielen.
Das Publikum jedenfalls zeigte sich angetan und sparte nicht mit Applaus und Begeisterungsbekundung.
Autorin Susanne von Loessl freute sich mit Schauspielfreundin Helga Lehner, Susanne Meikl, dem Schauspieler Volker Brandt und Freunden aus München über die Uraufführung ihres Stückes, denn mit «Tournee, Tournee» wurde zum ersten Mal eines ihrer Bücher auf der Bühne umgesetzt.

Margrit Jakobi


echo 11.06.2008

Theater hinter und auf der Bühne

Probleme, Pannen und Emotionen finden nicht nur auf der Bühne, sondern auch dahinter statt. Haupt-«Spielplatz» in der Komödie von Susanne von Loessl ist die Damengarderobe eines Tourneetheaters.
«Tournee, Tournee» heißt auch ihr Stück, das Regisseur Michael Schwarz mit dem Ensemble des Backstage- Theaters im Künstlerhof in Rosenheim zur Uraufführung brachte. Die Autorin war dazu aus Hamburg angereist und etliche Schauspielerfreunde und -freundinnen begleiteten sie.«Gefährliche Liebschaften» von Choderlos de Laclos spielt man auf dieser Tournee. Dabei geht es um Kuppelei, Intrige, Rache und Machtgelüste. Alltäglicher und weniger folgenschwer sind die Gespräche und Aktionen, die in der Damengarderobe stattfinden. Dieser gab Michael Schwarz Platz auf der Bühne und setzt davor, als eine Art Laufsteg, die Ebene, auf der die «Liebschaften» auszugsweise gespielt werden. Theater also im Theater, was in so manchen erfolgreichen Komödien ein beliebter Stoff ist.
Andreas Geißbauer gefiel als quirliger Inspizient und Tourneeleiter Siegfried Bock. Rosalinde Ebart in der Rolle der resoluten Garderobiere Maria Seidel mit leicht sächselndem Dauer-Redeschwall herrscht wie ein kleiner General in ihrem Revier und enervierte mit ihrem herrischen Ton manchmal nicht nur die drei Aktricen.Inge Gfrörer-Kötschau als Schauspielerin Yvonne Nagel mit makrobiotischem Ess-Tick spielt eine imposante Marquise de Merteuil. Doris Loy in der Rolle der mit Motorrad anreisenden Meike Mohr brachte als junge Cecil de Volanges deren Neugierde und Ängste noch nicht genug zum Ausdruck. Christine Höhendinger, die zu ihren zwei Figuren im Stück (Madame de Tourvel und Claudia Knoll) vorher auch noch helfend an der Kasse des Backstage-Theaters einspringen musste, war einfach überbelastet. So geriet der Part der Claudia, die horoskopgläubig und eheverdrossen sich gerne außerhalb verlus-tiert, manchmal überzogen.
Als Stimme des Vicomte de Valmont fungierte Horst Halser und aus dem Lautsprecher kamen als Diego auch seine literarisch verbrämten Liebesschwüre.
Eine Chance für die textsichere Garderobiere und eine Herausforderung für den Inspizienten ergibt sich, als zwei Schauspielerinnen in einen Anreise-Stau geraten. Maria wird zur Madame Tourvel und Siegfried zur Marquise de Merteuil, was beiden wie dem Publikum Spaß machte. Vom Regisseur wünscht man sich eine straffere Koordination und für die Darsteller weiterhin viel Freude an ihren Rollen.
Die Premierenbesucher spendeten reichlich Beifall und die Autorin Susanne von Loessl freute sich über die erste Umsetzung eines ihrer Bücher auf der Bühne.


Margrit Jakobi

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