Zurechtgestutzes Welttheater
Echo-Wochenblatt vom 6.12.2006
„Viel Lärm um Nichts“ Backstage-Theater spielt Shakespeare
„Hexenschuss oder Der Bandscheibenvorfall" von John Graham

OVB vom 2.12.2005
Mühle der Verwechslungen
Gastspiel „Loriot: 11 dramatische Werke‟
Süddeutsche Zeitung vom Oktober 2005
Kampf um Kalbshaxe und Kosakenzipfel
„In der Löwengrube‟ von Felix Mitterer
Echo vom 3.11. 2004
Über die Lächerlichkeit des Faschismus
OVB 29.10.2004
Triumph in der Löwengrube
„Die Kurve‟ von Tankred Dorst
OVB vom 30.4/ 1.5 und 2.05.2004
Mit mehr Schwung in die Kurve
Echo vom 5.05. 2004
Eine „Tödliche Kurve " im Muessaal
„Loriot: Zehn dramatische Werke‟
Rosenheimer Nachrichten 06.04.2003 Vorankündigung
Backstage Theater spielt zehn «Dramen» von Loriot
Oberbayerisches Volksblatt Rosenheim vom 2/3. 05.2003
Ein Jodeldiplom für Frau Hoppenstädt
Rosenheimer Nachrichten 05.05.2003
Loriot im «Backstage» - ein «reizender» Abend
ECHO Rosenheim vom 7.05.2003
Loriot-Geschichten: Komik im Alltag
„Josef und Maria‟ von Peter Turrini
Oberbayerisches Volksblatt vom 29.10.2002
Für Glück ist es nie zu spät
ECHO Rosenheim vom 30.10.2002
Was vom Leben übrig bleibt
ROSENHEIMER NACHRICHTEN vom 25.10.2002
Die ewige Suche nach Liebe
„Die Kleinbürgerhochzeit‟ von Berthold Brecht
Oberbayerisches Volksblatt Rosenheim vom 26.04.2002
Alles geht aus dem Leim
Blickpunkt Rosenheim vom 29.04.2002
Die Kleinbürgerhochzeit
ECHO vom 01.05.2002
Ein äußerst vergnüglicher Abend mit Berhold Brecht
„Des Teufels Patente‟ von Richard Rötzer
Oberbayerisches Volksblatt Rosenheim 11.5.2001
Von einem arbeitslosen Teufel Uraufführung der Komödie "Des Teufels Patente"
Blick-Punkt Rosenheim vom 14.05.2001
Hölle 2001 Weltpremiere von "Des Teufels Patente" im Theater im Stall
ECHO Rosenheim vom 16.05.2001
Ein armer Teufel ohne Patente
„Drei Einakter‟ von Ludwig Thoma
Oberbayerisches Volksblatt Rosenheim 20/21. 05.2000
Dreimal Thoma im Stall
ECHO Rosenheim vom 24.05.2000
Milieustudien von Ludwig Thoma
(1) (2)
Echo
Rosenheim 02.11 2011
Backstage Theater feierte Premiere mit "Das indische Tuch"
Nebelschwaden, Froschgequake, eine an Schwarz-Weiß-Filme erinnernde düstere
Bühnenkulisse:
Das Backstage Theater Rosenheim setzte bei seinem diesjährigen Herbststück
"Das indische Tuch" von Edgar Wallace von Anfang an auf Gruselstimmung. Mit einem
Großaufgebot von elf Schauspielern präsentiert Regisseur Mike Schwarz in dem fantasievoll als
Theater umgestalteten ehemaligen Verkaufsraum am Salinplatz seine unterhaltsame und
spannende Version des bekannten englischen Thrillers.
Miteinbezogen in das Geschehen - das Publikum. Gleich zu Beginn verweist in einem Vorwort
Sergeant Totty (Uli Bogus Kigele) auf die Bedeutung der Zuschauer als "Zeugen", deren
Befragung in der Pause erfolgen solle. Auch bat er, Chefinspektor Tanner (Peter Behrend) für
dessen mangelnde Ermittlungserfahrungen zu entschuldigen, da dieser erst vor zwei Wochen
zum Team gestoßen sei.
Dank Notizblock und perfekter schauspielerischer Leistung gelang es dem ermittelnden
Beamten von Scotland Yard trotz dieses Mankos, die verwirrende Mördersuche aus dem
Herrensitz "Marks Priory" zu einem - wenngleich auch nicht erfreulichen - Abschluss zu bringen.
In der gelungenen Inszenierung von Schwarz scheint fast jeder Akteur ein dunkles Geheimnis
verbergen zu wollen. Einzige Ausnahme ist der sich vornehm zurückhaltende Diener Kelver
(überzeugend dargestellt von Heinz Kästner), dessen Lieblingsspruch "Unser Herrgott hat eben
einen großen Tiergarten" alles Unerklärliche auf himmlische Einflüsse schiebt.
Spannende Krimistunden am Salinplatz
Ganz anders Hausherrin Lady Lebanon (Valerie Waltenbauer). Die mit Adelsdünkel behaftete
Mutter des infantil wirkenden Lord Lebanon (facettenreich gespielt von Andreas Reichert) will
nicht nur mit aller Macht ihren Sohn mit Isla Crane (Anja Werner), der armen Nichte und
unscheinbaren Sekretärin, vermählen, sondern hält aus scheinbar unerfindlichen Gründen ihre
Hände schützend über den zwielichtigen Dr. Amersham (Ferno Biller) und den mysteriösen
Butler Gilder (Nasser Eslami).
Was hat Dr. Amersham während seiner Zeit in Indien verbrochen? Was weiß Chauffeur Studd
(Robert Reichert), der das Vertrauen Lord Lebanons genießt, über den Doktor? Wieso spioniert
Gilder den Hausherren aus und welches Geheimnis verbirgt sich hinter der temperamentvollen
Zofe Mrs. Jackson (Sonja-Angela Ziehr)? Aufreizender Lichtblick in der spannenden
Kriminalstory ist Mrs. Tilling (Jasmin Braun), die trotz Ehestands freizügig mit den Herren der
Schöpfung anbändelt und selbst mit Sergant Totty tändelt, um an Informationen zu gelangen.
Besonderes Lob an die Bühnengestaltung.
Dank fließender Übergänge von Garten in
Herrenhaus, Ballsaal, Bibliothek und Büro/Schlafzimmer gelingt es dem Ensemble,
übergangslos Szenen an den unterschiedlichen Orten darzustellen.
Claudia Sieberath
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Echo
Rosenheim 13.06 2009
Backstage-Theater bringt "Boeing, Boeing"
Das Backstage-Theater Rosenheim hat am Mittwoch, 17. Juni, um 20 Uhr Premiere
mit dem Boulevardstück "Boeing, Boeing" von Marc Camoletti im Rosenheimer "Künstlerhof"
am Ludwigsplatz.
Unter der Regie von Mike Schwarz spielen Roselinde Ebart, Marianne Bröder, Dubravka Kurz,
Eva-Lotte Steinigeweg, Andreas Reichert und Bernhard Materne.
Bernhard wohnt in der Nähe eines Flughafens und unterhält ein sorgfältig ausgetüfteltes
Liebessystem mit mehreren Stewardessen verschiedener Airlines.
Unvorhersehbare Ereignisse bringen sein Leben zwischen Start- und Landeerlaubnis durcheinander und bringt ihn in Turbulenzen.
Sein Freund Robert sowie seine Haushälterin Bertha tragen das Ihre dazu bei, dass Bernhard das bekommt, was er verdient.
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Oberbayerisches Volksblatt
Rosenheim 20/21. Mai 2000
Dreimal Thoma im Stall
Backstage-Theater spielt Thoma-Komödien
Das Theater im Stall in Kieling bei Stephanskirchen mit seinem passenden
Ambiente hat sich Regisseur Horst Halser für drei Einakter
von Ludwig Thoma ausgesucht. Mit seinem Ensemble vom Backstage-Theater
setzte er die Einakter "Die Medaille", "Monika"
und "Die Brautschau" lebendig in Szene.
Eine böse Satire auf das Beamten- und Bürgertum ist Ludwig
Thomas "Medaille".
Eine lange Tafel wird von den Dienstmädchen Babette (Petra
Biglmeier) und Anna (Regina Stuffer) gedeckt. Bezirksamtmann Heinrich
Kranzeder (Paul Huppertz) bespricht mit seiner Gattin Amalie (Elisabeth
Pawlowski) die bevorstehende Ehrung seine Amtsdieners Peter Neusigl
(Walter Schöpf). Ein Festessen (unwillig von Frau Amalie ausgerichtet)
soll Beamte und die von ihnen Regierten vereinen und außerdem
noch Regierungsdirektor Steinbeissl (Horst Halser) beeindrucken
zum Lob des Amtmanns. Authentisch besetzt ist jede Rolle: Elisabeth
Pawlowski als arrogante und prüde Frau des Bezirksamtmanns,
welchen Paul Huppertz mit all seiner Gefallsucht, seiner Humorlosigkeit
und seinem Ergeiz sehr gut zeichnet. Ein vor der Obrigkeit katzbuckelnder
Assessor ist Peter Pawlowski. Die Gruppe der Ökonomen von Siegfried
Reil als Josef Hahnrieder, Michael Niggl als Johann Grubhofer und
Christian Mareth als Josef Merkl ist eine gekonnte Milieustudie
für sich. Unübertroffen spielt Fritz Butscher den Metzgermeister
Jakob Lampl, herrlich in seiner schlitzohrigen Bauernschläue,
die ihm auch schadlos Kritik an den hohen Herren ermöglicht.
Eine Bearbeitung von Marinus Brand ist die Komödie "Monika".
Monika ist der Name einer abgewiesenen Braut. Ihre Mutter Seilerbäuerin
von Huglfing (Monika Richter) klagt ihr Leid dem Rechtsanwalt Dr.
Ludwig Thoma in seiner Kanzlei. Sehr schön gelingt Monika Richter
die Darstellung gewisser Scheu vor dem Advokaten und Entrüstung
über geschehene Schmach. Horst Halser ist Dr. Thoma, wie er
leibt und lebt!
Ein Opfer der Premierennervosität wurden Anfänglich Brigitte
und Walter Schöpf als Bauersleut Korbinian und Rosina Christl
in der "Brautschau". Sie waren einige Zeit textverloren,
doch bekam Walter Schöpf Szenenapplaus für sein "I
versteh nix" auf eine vergebliche Souffleusenhilfe. Aufmüpfig
gab Christian Mareth beider Sohn, Fritz Butscher als Jakob Elfinger
war ein engargierter waschechter Schmuser, Michael Niggl ein recht
nervöser Viehhändler Alois Palser, Regina Stuffer als
Bauerntochter Ursula Geisberger und Petra Biglmeier als Gütlerstochter
Maria Atzendorfer durften in einfältiger Wortkargheit oder
gar stumm verharren.
Regisseur Horst Halser konnte mit seinen Ensemble nach einem sehr
vergnüglichen Theaterabend den wohlverdienten Applaus entgegennehmen.
Margit Jacobi
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ECHO Rosenheim vom 24.Mai 2000
Milieustudien von Ludwig
Thoma
Backstage Theater mit drei Einaktern des bayerischen Klassikers
Regisseur Horst Halser wählte drei Einakter des Autors aus,
um sie im passenden
Ambiente des Theaters im Stall in Kieling /Stephanskirchen mit seinem
Ensemble vom Backstage Theater aufzuführen. Eingestimmt von
den Inntal Schrammel`n konnten die Premierengäste die Milieustudien
auf treffende Art umgesetzt erleben. Alle Rollen waren sehr gut
ausgewählt, die Charaktere authentisch wiedergegeben, liebevoll
gestaltet die einzelnen Bühnenbilder.
Die Satire "Die Medaille" stellt Obrigkeitshörigkeit
und die Kluft zwischen Beamten und den von ihnen Regierten dar.
Paul Huppertz als Bezirksamtmann Heinrich Kranzeder und Elisabeth
Pawlowski als seine Gattin Amalie sowie Peter Pawlowski als Assesor
Karl.
Von Hingerl geben den "höher Gestellten" glaubwürdig
,überheblich Gestalt. Siegfried Reil als Josef Hanrieder, Michael
Niggl als Johann Grubhofer und Christian Mareth als Josef Merkel
verkörpern typengerecht die Ökonomen, Gerd Meiser den
"besäuselten" Lehrer.
Hinreißend ist Fritz Butscher als schlitzohriger Metzgermeister
Jakob Lampl.
In der Komödie "Monika" gibt Horst Halser einen waschechten
Advokaten Dr.Ludwig Thoma und Monika Richter die rechtsuchende Mutter
einer abgewiesenen Braut.
Bei der "Brautschau" von Premierennervosität
etwas durchsetzt geht es ums Übergeben, doch nicht der
Bauer (Walter Schöpf) und die Bäuerin (Brigitte Schöpf)
und ihr Sohn(Chritian Mareth) gelten die Hauptpartien, sondern den
geschäftstüchtigen Schmusern Jakob Elfinger (voll Temperament
Fritz Butscher) und Alois Palser (ein genervter Kontrahent Michael
Niggl), die am Ende die Geprellten sind.
Viel Applaus am Ende eines höchst vergnüglichen Abends
belohnte den Regisseur und sein Ensemble.
Margrit Jakobi
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Oberbayerisches Volksblatt Rosenheim
11.5.2001
Von einem arbeitslosen Teufel
Uraufführung der Komödie "Des Teufels Patente"
Wenn die Hölle so menschlich und gemütlich ist ,wie in
Richard Rötzers erster eigenwilliger
Komödie "Des Teufels Patente", die vom Backstage-Theater
Rosenheim im Theater im Stall in Kieling uraufgeführt wurde,
dann braucht man keinen Himmel mehr. In dieser Hölle lebt der
umgängliche, aber von seiner Familie etwas genervte Satan (Michael
Niggl) der von einem dicken Prälaten (Helmut Dengl) und Adolf
Hitler (Frank Martin) stumm bedient wird.
Der grübelnde und unglückliche Satan, der sich sogar mit
dem Gedanken trägt zu bereuen, wird von seiner sorgenden Frau
Lilith (Elisabeth Pawlowski) an den Psychiater verwiesen. Zum Glück
wohnt auch Dr. Freud (Peter Pawlowski) in der Hölle. Doch der
schläft lieber auf seiner Couch und hilft dem Teufel auch nicht
weiter. Schließlich will sich Satan selbst in einen Brief
an Gott wenden. Ein recht bayerischer Nietsche im Rollstuhl (Fritz
Butscher) soll ihm dabei helfen. Der spielt aber lieber Karten.
Als sich schließlich der Erzengel Michael (Sehr streitbar
Gerd Meiser) mit seinem Gehilfen Franz-Josef (Helmut Dengl als Strauß-Karikatur)
einmischt und ihn anweist, sich aus allem herauszuhalten, reicht
es dem Teufel, und er beschließt gut zu werden. Doch auch
damit scheitert er.
Am Ende trifft der heruntergekommene Satan, der an der Bosheit der
Menschen leidet, doch noch auf Gott selbst, den Regisseur Horst
Halser als freundlichen, aber energischen Herrn spielt. Er gibt
ihm den Rat, sich einfach rauszuhalten. Der Mensch werde vielleicht
allwissend, aber nicht allweise.
Der Rosenheimer Autor Richard Rötzer versucht mit seinem Stück
philosophische Probleme, wie die Frage nach der Herkunft des Bösen,
und auch die aktuelle Problematik der Gentechnik, bei der sich der
Mensch zum Schöpfer macht, auf amüsante, satirische Weise
zu hinterfragen.
Raimund Feichtner
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Blick-Punkt Rosenheim vom 14.05.2001
Hölle 2001
Weltpremiere von "Des Teufels Patente" im Thater im Stall
Höllenmusik gepaart mit Harfenklängen des Komponisten
Raphael Lichius empfing die Besucher der Welturaufführung "Des
Teufels Patente" von Richard Rötzer im urigen "Theater
im Stall" in Kieling bei Stephanskirchen. Unter der Regie von
Horst Halser erlang ein neurotischer, von Wahnvorstellungen geplagter,
stotternder und haareraufender Satan (Michael Niggl) der Vorstellung,
die Welt könne auf Grund fortschreitender Genmanipulation des
Bösen und damit sein überdrüssig werden.
In der von philosophischen Gedanken, literarischen Exkursionen zu
Goethes Faust und Erlkönig sowie satirisch-politischen Seitensprüngen
durchsetzten Komödie des Rosenheimer Erfolgsautors, versucht
der Höllenfürst seine Kinder DNAmok (Christian Domnick),
Mogelcom (Christian Mareth), Biotop (Petra Biglmeier) und Ecstasy
Regina Stuffer) zum aktiven Widerstand gegen die fortschreitende
Genmanipulation zu bewegen. Doch die Familie sieht in diesem biologischen
Fortschritt keine Gefahr, sondern vielmehr einen "Selbstläufer
für die Hölle". So bleibt der mit seinem Schicksal
hadernde Satan mit seinen Drepressionen allein. Seine Frau Lilith
(Elisabeth Pawlowski) schickt ihn, begleitet von den illustren Höllengehilfen
und als stumme Diener Brillierender Hitler und Prälat (Frank
Martin und Helmut Dengl) sogar zu Sigmund Freud (Peter Pawlowski),
der zur Zeit in der Hölle weier über den Ödipuskomplex
sinniert. Helfen kann dieser seinem fürstlichen Patienten allerdings
auch nicht. Seine letzte Chance, dem gefählichen Treiben der
Menschen Einhalt zu gebieten, sieht Satan in einem persönlichen
Gespräch mit dem allermächtigen. Als auch dieses Unterfangen
durch den Besuch des Erzengel michi (Gerd Meiser9 und seines Adlatus
Franz-Josef (Helmut Dengl) scheitert, will der Teufel aus Trotz
gut werden und findet sich als Arbeitsloser stupidem Bürokratismus
ausgeliefert. Den menschlichen Ränken bei weitem nicht mehr
gewachsen, fällt Satan in die Hände eines Sensationsreporters
(Gerd Meiser) und versucht, zu guter Letzt sein Recht auf das Böse
in einer Fernsehshow zu untermauern. Doch gegen blasierte Sachverständige
und einen schleimigen Talkmaster kommt selbst Satan nicht an.
Völlig am Ende trifft Satan letztendlich doch noch Gott. Ein
langes Zwiegespräch zwischen Himmel und Hölle führt
zu der Erkenntnis Gottes (Horst Halser) "der Mensch braucht
etwas, an das er glauben kann", folglich sieht er seine Existenz
nicht bedroht und es gibt für IHN keinen Grund zum Handeln.
Mit der hintersinnigen, mit witzigen Wortspielen gespickten Komödie,
wollte Rötzer sicherlich auf die Gefahr des technischen und
biologischen Fortschritts aufmerksam machen und vor gedankenlosem
Fortschrittsglauben warnen.
Witzige Highlights waren die kurzen Spots der Werbeteufelchen und
Engel, sowie der Hexenreigen.
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ECHO Rosenheim vom 16.05.2001
Ein armer Teufel ohne Patente
Backstage-Theater Rosenheim inszeniert Premiere eine Stückes
von Richard Rötzer im Theater im Stall in Kieling
Selbst der Teufel sorgt sich um die Entwicklung der Gentechnik,
doch seine Bemühungen. Die Patente als alleiniger Schöpfer
des Bösen zu erwerben, sind erfolglos. "Des Teufels Patente"
heißt die hintersinnige Komödie in sechs Akten von Richard
Rötzer, die Regisseur Horst Halser im Theater im Stall in Kieling
bei Stephanskirchen mit seinem Backstage-Theater-Ensemble zur Urraufführung
inszenierte.
In der Rolle des Protagonisten agierte Michael Niggl als Satan,
ein angegrauter, schwer geprüfter Familienvater einer wahren
Teufelsbrut, als da sind: der cholerische Dnamok (Christian Momnik),
die enervierende "Fun-Fun"-Tochter Ectasy (Regina Stuffer),
die siebengescheite Biotop (Petra Biglmeier), der aggressive Mogelcom
(Christian Mareth), alle begeisterte Anhänger der neuen Gentechnik;
und Ehefrau Lilith (witzig überspannt: Elisabeth Pawlowski).
Unbefriedigt bleibt auch sein Besuch beim Vater der Psychoanalyse,
Sigmund Freud (Peter Pawlowski), der ebenfalls in der Hölle
wohnt. Doch ein Teufel will vergessen, wo er sich erinnern soll.
Selbst Nitsche, der große Philosoph (Fritz Butscher) legt
nur noch Patiencen, sitzt im Rollstuhl und ist ihm keine Hilfe.
Nicht mit dem Flammenschwert, doch mit Adlatus Franz Josef (urig:
Helmuth Dengl) erscheint Erzengel Michael (in bester Präsent:
Gerd Meiser) im Outfit des Blues Brothers und bringt knallhart den
Befehl von oben "Finger weg von den Patenten!"
Ein trotziger Satan beschließt, fortan nur gut zu sein, doch
die Menschheit übertrifft ihn im Bösen, da macht das Gute
keine Freude! Im Arbeitsamt kann er beim sächselnden Sachbearbeiter
(Christian Mareth) auf keinerlei Verständnis hoffen, ein bairisch-katholischer
Beamter wäre dem Teufel lieber.
Ein armer Teufel schleicht am Ende durch den abendlichen Park mit
Türkenkoffer und Schnapsflasche. Gott selbst sitzt neben ihm
auf der Parkbank (Horst Halser als gelassener, doch selbstbewusster
älterer Herr in der Rolle des Allmächtigen), um ihm und
den Menschen seine Allweisheit aufzuzeigen. Die verschiedenen Ebenen
Hölle, Erde, Himmel gestaltete Michael Wiese mit seinem Bühnenbild,
in das sich die stummem Diener Hitler (Frank Martin) und Prälat
(Helmuth Dengl) passend integrieren.
Die witzigen Pointen, kabarettistischen Anspielungen, die teuflische
Problematik der Gentechnik, philosophische Betrachtungen über
das Böse, All das sind interessante Passagen im Stück
von Richard Rötzer.
Margrit Jacobi
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Oberbayerisches Volksblatt Rosenheim vom
26.04.2002
Alles geht aus dem Leim
Backstage-Theater spielt Brechts Farce
"Die Kleinbürgerhochzeit"
Alles geht aus dem Leim bei Bertolt Brechts "Kleinbürgerhochzeit":
die vom Bräutigam selbst gezimmerten Möbel und die Fassade
einer kleinbürgerlichen Anständigkeit. Missgunst, Eifersucht,
Langeweile, Dummheit und vor allem unterdrückte sexuelle Gier
sind zu Gast bei der kleinen Hochzeitsfeier des Bräutigams. Regisseur
Horst Halser führte den Einakter Bertold Brechts mit seinem Backstage-Theater
Rosenheim in einer frischen, heiteren Inszenierung im Mues-Saal in
der Alten Spinnerei in Kolbermoor auf.
In Brechts früheren Werk aus dem Jahr 1919 spürt man desen
Bewunderung für den großen Karl Valentin, den er in München
kennen gelernt hatte. Wie Valentin führt er den Kleinbürger
in seiner engen brüchigen Welt und seiner geistigen Beschränktheit
vor. Und wie Valentin macht er es in "Die Kleinbürgerhochzeit"
mit Witz, Slapstick und Humor. So durfte bei aller entlarvenden bitterbösen
Gesellschaftskritik auch im Mues-Saal herzhaft gelacht werden.
Horst Halser und sein munteres Ensemble scheuten nicht die Heiterkeit,
die in anderen Interpretationen dieser Farce oftmals zu kurz kommen.
So inszenierte Halser sie im Stil und in der Kulisse eines Boulevardstücks
der 70er Jahre und nahm sie nicht zu schwergewichtig ernst.
Der Regisseur und seine Akteure bieten ein Panoptikum an herrlichen
Typen. Da gibt es den alten Vater der Braut (Sigi Reill), der die
anderen Hochzeitsgäste ständig mit seinen unappetitlichen
Geschichten nervt. Da gibt es die schürzenbewehrte Mutter des
Bräutigams (Gisela Baumann), die nur ihre Kochkunst im Kopf hat.
Da zeigen sich der schon etwas ältliche Bräutigam (Gerd
Niedermayer) als Muttersöhnchen und seine Braut (Petra Biglmeier)
als unglückliche Frau, die sich gern die schamlosen Avancen des
ungehobelten Freundes (Christian Mareth) des Bräutigams gefallen
lässt. Schamlos flirtet auch die Schwester der Braut (Christine
Höhendinger) mit dem jungen Mann (Nico Foltin), der eher zufällig
eingeladen wurde. Selbst das Bett des Brautpaares wird von dem Pärchen
aufgesucht. Und da zeigt ein befreundetet Ehepaar (bissig Monika Richter
und anfangs eingeschüchtert Günther Makulik), was das Brautpaar
im künftigen Eheleben erwarten wird.
Im Laufe das Festes bricht die ganze Fassade bürgerlicher Anständigkeit
und Sittsamkeit zusammen. Hinter ihr werden die Triebe, werden Eifersucht
und Hass, Einsamkeit und Hilflosigkeit sichtbar, derweil kann der
schlechte, selbstgemischte Leim die Möbel nicht zusammenhalten.
Sofa, Schrank und Stühle brechen zum Spaß des Publikums
auseinander.
Brecht und Horst Halser zeigen keine bösen Menschen, sondern
das wirkliche Leben zwischen vermeintlichem Anstand und Triebhaftigkeit.
Bei allen kleinen Katastrophen versuchen die Menschen weiterzumachen.
Auch das Brautpaar rauft sich wieder zusammen, denn seine Gier aufeinander
ist stärker als die vorher einander zugefügten Beleidigungen,
Erniedrigungen und Verletzungen.
Das Backstage-Theater bot bei der Premiere eine rundum gelungene Aufführung.
Zur Freude der Publikums hätten noch ein paar Möbel mehr
kaputt gehen dürfen.
Raimund Feichtner
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Blickpunkt Rosenheim vom
29.04.2002
Die Kleinbürgerhochzeit
1. Mai um 20 Uhr im Mues-Saal Kolbermoor
"Es hat alles genau so geklappt, wie wir es uns vorgestellt
haben.", freuten sich Regisseur Host Halser und sein Sohn Florian,
der als Regieassisten fungierte, nach einer perfekten Premiere des
Einakters "Die Kleinbürgerhochzeit" von Berthold
Brecht im Mues-Saal Kolbermoor.
Das Bühnenbild zerbarst im richtigen Moment in seine Einzellteile,
die Beleuchtung und Musik zauberten stimmungsvolle Szenarien und
die Schauspieler ließen nicht einmal ansatzweise Schwächen
erkennen. Mit einer faszinierenden Mimik spielte Christian Mareth
den Freund des asketischen Bräutigams (Gerd Niedermayer), der
mit seiner zottigen Ballade die hübsche Braut (Petra Bieglmeier)
an den Rand eines Nervenzusammenbruchs treibt. Der Vater der Braut
(Sigi Reil) läst in seinen derben Geschichten die Familienhistorie
Revue passieren, während die gelangweilten Gäste sich
am reichlich fliesenden Wein gütlich halten und von der Mutter
des Bräutigams (Gisela Baumann) mit Kabeliaufilet und Schokopudding
verköstigt werden. "Die Frau" (Monika Richter) ein
Gast der Hochzeitsgesellschaft, lästert fortwährend über
die selbstgeschreinerten Möbel des jungen Paares, gleichzeitig
versucht ihr zurückhaltender Mann (Günther Makulik) den
Schein der Schicklichkeit zu wahren.
Claudia Sieberath
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oben
ECHO vom 01.05.2002
Ein äußerst vergnüglicher
Abend mit Berhold Brecht
Phantastische Premiere vom Backstage-Theater mit der "Kleinbürgerhochzeit"
im Mues-Saal
Rhythmusklatschen, Szenenapplaus und am Ende mehrere Vorhänge-
schöner kann eine Premiere für ein Ensemble nicht laufen.
Nicht nur Horst Halser, Regisseur des Backstage-Theaters und sein
Sohn Florian, Regieassistent bei dieser mitreißenden Aufführung
das Einakters "Die Kleinbürgerhochzeit" von Berthold
Brecht, waren rundum zufrieden.
Auch das Publikum zeigte sich von der in die 70er Jahre transferierten
Inszenierung begeistert.
"Amüsant, unterhaltsam, voller Verve, absolut überzeugend
dargestellt, wie im richtigen Leben", waren nur einige der
stets positiven Meinungen, die zufriedenen Zuschauer am Ende der
Vorstellung äußerten. - Es hat aber auch wirklich alles
gepasst. Die Kostüme und Frisuren spielten ebenso wie das Bühnenbild
und die eingespielte Tanzmusik die Zeit wieder, die Möblierung
zerfiel im richtigen Moment in ihre Einzelteile, die Beleuchtung
zauberte stimmungsvolle Szenarien und die Schauspieler ließen
nicht einmal ansatzweise schwächen erkennen. Gleich ob Textkenntnis
oder Charakterdarstellung das gesamte Ensemble spielte bravourös
dieses bissige gesellschaftskritische Stück Brechts, dass mit
seinem spitzen Humor und treffsicheren Spiegelbild einer spießbürgerlichen
Gesellschaft die Zuschauer nicht nur zum Lachen sondern auch zum
Überdenken eigener Verhaltensweisen anregte.
Claudia Sieberath
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Oberbayerisches Volksblatt vom
29.10.2002
Für Glück ist es nie
zu spät
Turrinis Tragikomödie „Josef und Maria“ im Mues-Saal
Es ist nur eine kleine Geschichte. An Heiligabend 1991 treffen
sich in der Personalgarderobe eines Wiener Kaufhauses die Aushilfsputzfrau
Maria Patzak und der Wachmann Josef Pribil. Beide sind alt, bereits
so um die 70. Beide sind allein. Niemand wartet auf sie, deshalb
arbeiten sie. Beide haben endlich jemanden, dem sie ihr Herz ausschütten
und von ihrem traurigen leben erzählen können. Und beide
kommen sich schließlich näher. Sie beginne wieder, zu
leben und zu lieben. Es ist eine kleine berührende Geschichte,
die zeigt, dass es für das Glück nie zu spät ist.
Und meisterlich inszenierte Horst Halser vom Backstage Theater Rosenheim
Turrinis Stück mit Helmut Niedermeier und Friederike Haider
von der Innthaler Bauernbühne Rosenheim in den Hautrollen im
Kolbermoorer Mues-Saal. Die beiden Hauptdarsteller boten Amateurtheater
auf höchstem Niveau.
Halser schafft zu Anfang die richtige Atmosphäre. Einmal durch
das überaus gelungene Bühnenbild von Michael Seemeier,
das die Rückseite der Kaufhausglitzerwelt zeigt, die etwas
heruntergekommene Personalgarderobe mit alten Blechspinden und dem
ebenso alten Waschbecken. Durch das Fenster des Kaufhaussprechers
leuchtet aus den Verkaufsräumen ein großer Christbaum
herein. Halser schafft aber auch Atmosphäre durch das genaue
und langsame Spiel. Müde und abgekämpft beenden die Verkäuferinnen
ihre Arbeit und reagieren nicht einmal mehr auf die Weihnachtswünsche
des Kaufhaussprechers (Nico Foltin).
Als das Kaufhaus endlich leer ist, erscheint in der Garderobe eine
scheinbar vornehme Dame mit Pelzmütze und Einkaufstaschen,
die sich aber in die alte Aushilfsputzfrau Maria verwandelt, ihren
alten Kassettenrekorder anstellt und zu „La Paloma“
von Hans Albers zu putzen beginnt, bis der Wachmann Josef dazukommt.
Maria erzählt ihm mit Begeisterung von der Zeit als Varietetänzerin
in Tirana vor dem Krieg, mit Bitterkeit von der unglücklichen
Ehe, vom Sohn und seiner Frau, die die alte Mutter nicht einmal
Weihnachten bei sich zu Hause haben wollen.
Friederike Haider sprach passend und gekonnt mit leichtem Wiener
Einschlag. Sie spielte beinahe perfekt die zu kurz gekommene einsame
Frau mit schillernder Vergangenheit. Allerdings: wie eine Siebzigjährige
wirkte sie nicht. Etwas Schminke hätte schon geholfen.
Helmut Niedermeier sprach zwar durchgängig bayerisch, war dagegen
der alte Mann, der unverheiratete Freidenker und Altkommunist, der
dem Nazi-Todesurteil, aber danach nicht dem faschistischen Nervenarzt
entkam. Josef ist auch als Kommunist ein Übriggebliebener.
Er glaubt noch an die alten Ideale. Niedermeier gab ihm Wut und
Würde zugleich.
Beiden Schauspielern gelangen wunderbare, eindringliche und berührende
Moment, bitter und komisch zugleich. Ergreifend auch der Schluss.
Josef, der immer einsam und allein war, weiß nicht ob er kitzlig
ist. Maria kitzelt ihn im Bett. Er muss lachen und sagt als Letztes
ganz lapidar: „Erstaunlich!“. Das wäre auch das
passende Ende gewesen, doch die Zuschauer mussten sich mit ihrem
angemessen großen Beifall gedulden, bis die Schlussmusik endlich
ausgeblendet wurde.
Raimund Feichtner
> nach
oben
ECHO Rosenheim vom 30.10.2002
Was vom Leben übrig
bleibt
Neufassung von Turrinis „Josef und Maria“
im Mues-Saal Kolbermoor
In einigen Wochen ist es wieder soweit und im Muessaal in Kolbermoor
erklang bereits jetzt die typisch vorweihnachtliche Kaufhaus-Musikberieselung.
Der Regisseur Horst Halser hat seine Inszenierung der Neufassung
von Peter Turrinis meisterlichem Stück „Josef und Maria2
zur passenden Zeit angesetzt und sich mit Friederike Haider als
Maria und Helmut Niedermeier als Josef (beide von der Inntaler Bauernbühne
Rosenheim) exzellente Protagonisten erwählt. In der Kulisse
der schäbigen Personalabteilung eines Wiener Kaufhauses spielt
die Begegnung von zwei alten, einsamen Menschen am Heiligen Abend.
Michael Seemeier schuf die stimmige Atmosphäre der Bühne
mit blechernen Kleiderspinden, altem Waschbecken und im Kontrast
dazu den Durchblick ins Kaufhaus mit glitzerndem Weihnachtsbaum.
Erschöpfte Verkäuferinnen verlassen mürrisch ihren
Arbeitsplatz, von „Fröhlicher Weihnacht“ wollen
sie nichts mehr hören. Maria Patzak legt ihre Weihnachtspäckchen
ab, auch ihre Perücke und verwandelt sich in eine Aushilfsputzfrau,
auf die niemand wartet. Voll Bitterkeit ist ihr Ruf ins Durchsage-Mikro
nach dem Sohn, der sie auch heute nicht sehen will, damit er seinen
Frieden mit seiner Frau hat.
Für den Wachmann Josef Pribil, Freidenker und alten Idealen
verhaftet, ist dieser Abend nicht heilig.
Horst Halser gestaltet die Begegnung zweier „Übriggebliebener“
mit sehr viel Sensibilität. Friederike Haider gibt der Figur
der Maria glaubwürdig alle Facetten in ihrer Erzählung
von der Ehemaligen flitternden Varietetänzerin in Tirana, über
die unglückliche Ehefrau, verbitterte Mutter bis sie am Ende
zur anrührender Zärtlichkeit gebenden und erwartenden
Frau wird. Die leicht Wienerische Einfärbung ihrer Sprache,
die nie verlernten Tanzschritte, alles gelingt Friederike Haider
auf sehr stimmige Weise. Freilich fehlen ihr altersmäßig
viele Jahre im Vergleich zu Turrinis „Maria“, doch das
vergisst der Zuschauer bald. In Helmut Niedermeier hat sie einen
absolut ebenbürtigen Partner, der hier zwar eher Bayer als
Wiener ist, doch in der Qualität eines professionellen Schauspielers
die Rolle des Josef meistert. Er erschüttert in seinen Berichten
über die Folter durch Nazischergen, in der Verlesung seines
Abschiedsbriefs an seine „nie erlebte Frau“. Die Wut,
die Bitternis des ledigen Altkommunisten, sein anfänglich fast
autistisches Verhalten, sein „Rudolfo-Valentino-Auftritt“
und die endliche, scheue Berührung im Kaufhausbett, seine Fassungslosigkeit
über ein geschenktes Spielzeugauto sind großartig in
Szene gesetzt.
Zauberhaft das Schlussbild und das letzte Wort: „Erstaunlich
sagt Josef, als er durch Maria zum ersten Mal erleben darf, daß
er kitzlig ist.“ Wenn sich die Beiden mit dem Rücken
zum Publikum aneinander lehnen und dann leise hinausgehen ist ein
berührender, sehr eindringlicher und bemerkenswerter Theaterabend
zu Ende gegangen, der in Erinnerung bleiben wird.
Margrit Jakobi
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ROSENHEIMER NACHRICHTEN vom
25.10.2002
Die ewige Suche nach Liebe
Premiere in Kolbermoor: Turrinis „Josef und Maria“
......eine unglaubliche Herausforderung an die Schauspieler. Zumal
sie nicht täglich auf der Bühne stehen., gleichwohl ausgewiesen
hervorragende „Amateure“ sind. Regisseur Horst Halser
(Backstage Theater Rosenheim) fand sie- als wär` dieses Stück
für sie geschrieben – bei der Inntaler Bauernbühne:
Friederike Haider und Helmut Niedermeier.
Beide noch längst nicht im Seniorenalter, bewältigen
die Wandlung zu alten Menschen, deren Gedanken gefangen in ihren
Erinnerungen kreisen, mit einer Intensität, die kalten Schauer,
Erstaunen, Mitleid und Mitgefühl weckt, und die Allgegenwärtigkeit
der Einsamkeit im alter messerscharf seziert. Menschen, die erst
langsam ihr geschundenes Dasein der Wirklichkeit anpassen.
Halsers Regie ist zurückhaltend, facettenreich, beinahe spielerisch,
unaufdringlich intensiv. Einfühlsam, bewegend die Tanz-Choreographie
von Doris Gilles-Hörfurter. Zögerlich und unbeholfen,
unsicher, gleichwohl furios tanzen sich Josef und Maria in ein so
lange vermisstes Liebesgefühl hinein, das dann in einer wunderbar
zärtlichen Szene im Kaufhausbett mit Preisschild und frischem
Leintuch endet. Weihnachtszeit-Wunderzeit? Der Zuschauer kann dieses
Wunder miterleben, glauben. Ein lange ausklingendes phantasievolles
Schlussbild-händchenhaltend, vorsichtig umschlungen im weichen
Dämmerlicht, man fürchtet fast den lauten Beifall.
Fritz Birkner
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Rosenheimer
Nachrichten 06.04.2003 Vorankündigung
Backstage Theater
spielt zehn «Dramen» von Loriot
Wer hat nicht schon mal Tränen gelacht über die komisch-unergründliche,
tiefgründige Oberflächlichkeit des Wortwitzes eines Loriot?
Vom Fernsehen, vom Kino kennt man ihn, den Vicco von Bülow,
der hauptsächlich mit seiner Partnerin Evelyn Hamann Humor
und Satire in manchmal höchster Vollendung, mit sparsamster
Mimik auf die liebenswerte Spitze trieb... .
Es ist schon ein Wagnis, wenn Schauspieler sich von den großen,
bekannten Vorbildern lösen und auf sich allein gestellt
oder im Duo Loriots Lachmuskel-Reize auf die Bühne
bringen. Das Rosenheimer «Backstage Theater» wagt es
und man darf gespannt sein auf das Experiment. Horst Halser
führt Regie bei zehn ausgewählten «Dramen»,
die zum Teil noch gar nicht auf der Bühne zu sehen waren.
Etwa die «Parkuhr», an der die Politesse fast dem Nervenzusammenbruch
nahe kommt. Das Stück ist wohl noch nie auf der Bühne
gespielt worden.
Und daher erhebt sich schon im Vorfeld die drängende Frage:
Wie kommen auch noch Autos auf die Bühne?
Allein die Titel lassen auf einen Schmunzel- und Lachabend hoffen:
Die «Liebe im Büro», die «Eheberatung»,
oder der Lottogewinner, der Staubsaugervertreter und nicht zuletzt
das «schiefe Bild» an der Wand, das zur Raserei treibt...!
Wer die bisherige Arbeit des Rosenheimer Regisseur Halser kennt,
kann getrost erwarten, dass er seine acht Schauspieler im Kolbermoorer
«Mues-Saal» zu schauspielerischen und dramaturgischen
Höchstleistungen bringt. Und damit die Zelluloid-Vorbilder
vergessen lässt... .
Warum Loriot eigentlich nur «Kurz-Dramen» verfasst hat?
Vicco von Bülow hat in der ihm eigenen Diktion selbst die Antwort
gegeben: «Infolge mannigfaltiger Belastungen durch Beruf,
Familie und Freizeit ist der moderne Mensch kaum noch imstande,
sich auf ein mehrstündiges Bühnenwerk zu konzentrieren.
Aus diesem Grunde überschreitet so gut wie keines meiner Dramen
eine Länge von fünf Minuten. Damit sind sie dem sie dem
biologischen Rhythmus von Menschen und weißen Mäusen
angepasst».
Man darf also auf einen kurzweiligen, fröhlichen, tief- und
hintergründigen Abend gespannt sein. Premiere ist am Mittwoch,
30. April, 20 Uhr, im «Mues-Saal» der Alten Spinnerei
in Kolbermoor. Weitere Aufführungstermine: 2., 3., 4., 9.,
10., 11., 16., 17. Mai, jeweils 20 Uhr. Einlass und Bewirtung bereits
um 19 Uhr. Am Sonntag, 18. Mai, ist um 11 Uhr eine Matinee.
Kartenvorverkauf: beim Backstage Theater Rosenheim (Tel. 88020),
Buchhandlung Levin, Kolbermoor (Tel. 299280), Rosenheim Ticket (Tel.
4000000), Musikhaus Bredschneider (Tel. 32212), jeweils mit der
Rosenheimer Vorwahl 08031.
Fritz Birkner
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Oberbayerisches Volksblatt
Rosenheim vom 2/3. Mai 2003
Ein Jodeldiplom für Frau
Hoppenstädt
Backstage-Theater Rosenheim spielt Loriot
Guten Bekannten wie Herrn Blüml und Frau Hoppenstädt
begegneten die Besucher der Theaterpremiere „Zehn dramatische
Werke von Loriot“ auf der Bühne im Mueussaal in Kolbermoor.
Horst Halser hatte die Sketche inszeniert. Es ist bereits seine
zwölfte Regiearbeit in Folge mit dem Backstage-Theater. Einige
der Darsteller hatten schon in früheren Loriot-Aufführungen
mitgewirkt und die jetzt mit ihnen agierten sorgten für eine
vorzügliche Mischung.
Gleich zu Beginn wurde auch das Publikum eingebunden in den Unterricht
der Jodelschule mit gestrenger Stimmendressur. Sigi Reil als „Lehrkörper“
erklärte die Grundmotive des Erzherzog-Johann-Jodlers und nur
Frau von Liliencrom (Elisabeth Pawlowski) beherrschte das 2. Futur
bei Sonnenaufgang fehlerfrei. Dafür war Frau Hoppenstädt
(Christine Höhendinger) das Erringen des Diploms von großer
Bedeutung: „Da hat man etwas Eigenes, Wenn die Kinder aus
dem Hause sind.“
Während des raschen Umbaus bei Szenenwechsel durch die zwei
hübschen Latzhosenträgerinnen Andrea Hönemann und
Angelique Sutherland (sie hatten nicht nur diese „tragenden
Rollen“), wurden die Besucher schwungvoll mit Liedern der
Comedian Harmonists im Originalsound auf die nächsten Szenen
eingestimmt. Das jeweils passende Ambiente hatte Michael Seemeier
mit aufwändiger Ausstattung und den entsprechenden Requisiten
gestaltet.
Nach der Pause versucht Heinz Kästner im Anstandsunterricht
seinem Kandidaten kultiviertes Verhalten bei Tisch beizubringen
und Michael Niggl löst dabei Lachsalven aus im Publikum. Auch
als Karl-Heinz Melzer mit erotischen Anwandlungen im Büro (mit
Christine Höhendinger als Fräulein Dinkel) und bei der
Eheberatung, wo er seine Handtaschenschnappende Frau ( Elisabeth
Pawlowski) nicht küssen will, ist Niggl köstlich. Bei
der Schlussszene „Das schiefe Bild“ schafft er es nach
besten Slapstick-Beispiel, ein wohlgeordnetes Wartezimmer in Minutenschnelle
in ein totales Chaos zu verwandeln.
Margrit Jacobi
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Rosenheimer
Nachrichten 05.05.2003
Loriot im «Backstage»
- ein «reizender» Abend
Kolbermoor/Rosenheim – Es ist schon ein Wagnis, gegen große
Fernseh-Vorbilder im Theater anzuspielen. Allein dieser Kampf entbehrt
nicht einer gewissen Komik, gleichwohl auch Dramatik. Denn - da
spukt die Evelyn Hamann im Kopf herum. Groß, schlank, stoisch.
Und Loriot höchst selbst, Vicco von Bülow, ebenfalls von
unerschütterlicher Ruhe, von nervender Gleichmut, steif, staksig,
unbeholfen.
Da haben es die Christine Höhendinger, kleiner, rundlicher,
gleichwohl kalkweiß geschminkt, der Sigi Reil und Michael
Niggl natürlich schon schwer, nicht einfach zu kopieren und
für die in den Köpfen der Zuschauer vorgegebene Darstellung
ihre eigene Persönlichkeit, Sprache und Gestik zu entfalten.
Und die komische Rolle, wenn nicht angeboren, ist so ziemlich das
Schwierigste, was einem Schauspieler widerfahren kann. Horst Halser,
an Schwieriges gewohnter Regisseur des Rosenheimer Backstage-Theaters,
hat seinen Schauspielern – acht an der Zahl – viel abverlangt.
Nach Turrinis beeindruckendem Weihnachtsstück «Josef
und Maria» – jetzt also Komik auf der Bühne im
«Mues-Saal» in Kolbermoor. «Zehn dramatische Werke
von Loriot». Szenen, seziert aus dem täglichen Leben.
Skurrile, komische, verzerrte, auf die Spitze getriebene Wort-Spielereien.
Grammatikalisch korrekte Schachtelsätze von halbseitiger Länge
im Drehbuch, die oft ganz weit weg vom Ausgangspunkt der Szene enden
– wie so manches Gespräch, bei dem keiner zuhört
und man vom Hundersten ins Tausendste kommt.
Meisterhaft beherrscht Vicco von Bülow die deutsche Sprache
– und das, genau das ist das Faszinierende an den «Dramen»,
über die man mal laut, mal leise lachen kann. Ja, das ist es,
was den «Loriot» so einmalig unnachahmlich macht. Die
Sprach-Kunst des Autors, auf den Leib geschrieben dem Komiker. Dem
Menschen, der sich selbst nicht so ernst nimmt.
Sprachbeispiel: «Der unbekannte Verkehrsteilnehmer hatte unrichtig
auf die Beschädigung dieser Parkuhr hingewiesen, in die er
ordnungsgemäß keine Parkmünze eingeworfen hatte,
da er in den für den Münzeinwurf bestimmten Münzeinwurf
der anderen Parkuhr ordnungsgemäß eine Münze eingeworfen
hatte. Die bei versäumter rechzeitiger Nachzahlung im Sichtfenster
sichtbare rote Kontrollscheibe dieser Parkuhr war daher sichtbar...».
Ein skurriles Stück entlarvender Sprach-Akrobatik. Und die
Szene vor Augen: Die Polizisten drumrum, zwei alte ratlose Leute,
und die Politesse in Originaluniform mit schwarzem Umhängetascherl,
das Rosenheimer Papp-Wappen drauf.
Da fühlt sich doch jeder Rosenheimer Parksünder massiv
erinnert an ein eigenes Erlebnis, an die heimischen Politessen und
die wunderschöne, typisch deutsche Beamtensprache, die unser
Leben wie eine Hydra im Griff hat. Loriot hat’s auf den Punkt
gebracht, was wir täglich an unserer Sprache verbrechen.
Christine Höhendinger als dem Nervenzusammenbruch nahe Politesse
hat das verinnerlicht. Sie hat sich für die Bühne diese
Sprache zu eigen gemacht. Ihr nimmt man diese Rolle ab, ohne gleich
an die Hamann zu denken, das versteinerte fahlweiße Gesicht,
die starre Mimik, die betont deutlich-langsame Sprechweise, von
Loriot vorgegeben – das alles wird ein herrliches Stück
Komik, menschelndes, allzu menschliches – komisches Theater.
Ihre Partner: Michael Niggl, Sigi Reil – auch sie bemüht,
das Vorbild nicht einfach nur zu kopieren, was manche publikumserheiternde
Übertreibung zur Folge hatte. Sie haben ihr bestes gegeben
– urkomisch, natürlich, dem Vorbild nahe, das Publikum
zu spontanem Lachen und Beifall reizend. Wie beim «Aufbruch»
zum Abendessen: Die Frau schminkt sich, während der Mann Zeitung
liest und – weil er nicht über Politik reden soll, er
nun doch pausenlos über Politik redet und die Frau schließlich
zu dem Schluss kommt, dass Frauen und Männer nicht zusammenpassen...
.
Diese beiden Szenen – Politesse und Schminken – sie
waren noch nie auf einer Bühne zu sehen. In sie hat Regisseur
Halser seine ganze dramaturgische Energie gesteckt – mit Erfolg.
Es waren die intensivsten. Kein Klamauk, ein echtes Kammerstück
á la Loriot.
Wie überhaupt viele hübsche Einfälle den Theaterabend
zu einem fröhlichen machen. Die Musik – von Mozart beim
Entree bis Comedian Harmonists zu den Szenen, im Parkuhren-Drama
zwei Motorroller auf der Bühne – statt wie im Film Autos,
opulente Ausstattung und viel Liebe zum Detail.
Komisch ist, was zum Lachen reizt, definiert der Duden. In diesem
Sinne - ein «reizender» Abend.
Fritz Birkner
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ECHO Rosenheim vom 7.5.2003
Loriot-Geschichten: Komik im
Alltag
Eine Inszenierung von Horst Halser mit seinem Backstage-Theater
„Ich heiße Erwin Lottemann, bin seit 66 Jahren Rentner
und eröffne im Herbst mit dem Papst eine Herrenboutique in
Wuppertal.“ Wer von uns kennt nicht den herrlichen Sketch
von Loriot über den geplanten Lottogewinner Lindemann bei seiner
x-fachen Ansage im Fernsehen. Der Regisseur Horst Halser hatte schon
vor fünf Jahren etliche Loriot-Geschichten mit seinem Backstage-Theater
inszeniert. Nun hatte er sich weiteren zehn „Dramatischen
Werken „ Vico von Bülows angenommen und sie mit seinem
Ensemble auf der Bühne im Muessaal in der Alten Spinnerei in
Kolbermoor in Szene gesetzt. Vor wechselndem Bühnenbild (Michael
Seemeier) mit aufwändiger Ausstattung, rollengerecht geschminkt
von Marianne Sabo, frisiert von Susanne Loferer, und musikalisch
aufs Beste begleitet vom Gesang der Comedian Harmonists vom Band
zeigten die Darsteller Christine Höhendinger, Elisabeth Pawlowski,
Andrea Hönemann, Angelique Sutherland, Heinz Kästner,
Christine Mareth, Michael Niggl, Sigi Reil auf höchst vergnügliche
Weise die Komik im menschlichen Alltag auf. Ob in der Jodelschule
(mit Diplom!), beim verzögerten Aufbruch zur Party („hetz`mich
nicht!“), beim Vertreterbesuch, wo die Marke „Oberföhringer
Vogelspinne“ eher ein pelziges Gefühl auf der Zunge der
Hausfrau auslöst, oder beim Nervenzusammenbruch einer überforderten
Politesse und der zungenbrecherischen Ansage über die vergangenen
Folgen einer weiterlaufenden Fernsehserie in englischer Sprache:
Textsicher und ihren Loriot´schen Vorbildern in Mimik und
Gebaren treffend ähnlich agieren die Darsteller in ihren Rollen
vorzüglich.
Begleitet von Ravels dramatischem „Bolero“ entwickelt
sich bei der letzten Szene „ Das schiefe Bild“ auch
das Geschehen auf der Bühne immer dramatischer: Schlag auf
Schlag zelebriert Herr Blüml ( Michael Niggl) die Veränderung
vom geordneten Wartezimmer zum totalen Chaos mit Bravour.
Ein amüsiertes Publikum bedankte sich für den humorigen
Theaterabend bei Horst Halser und seinem Ensemble mit großem
Applaus.
Margrit Jacobi
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OVB 30.4/ 1.5 und 2.5.2004
Mit mehr Schwung in die
Kurve
Premiere des Backstage-Theaters im Kolbermoorer Mues-Saal
Eine makabre Geschichte erzählt der deutsche Dramatiker Tankred
Dorst mit seinem 1960 uraufgeführten Theaterstück „Die
Kurve“. Jetzt feierte das Backstage-Theater damit im Mues-Saal
in Kolbermoor Premiere.
Die Brüder Anton und Rudolf leben an und von einer gefährlichen
Bergstraße mit ihren halsbrecherischen Kurven. Wen ein Wagen
„ die Kurve nicht kriegt“, fällt er den beiden
als leichte Beute vor die Hütte. Rudolf repariert die Unfallwagen
und verkauft sie, Anton bestattet würdig die Verkehrsopfer
mit sorgfältig ausgearbeiteten Leichenreden. Wenn das Reisewetter
gut ist und die Nachmittagssonne im richtigen Winkel blendet, haben
die beiden ihr gutes Auskommen. Dennoch beruhigt Anton immer wieder
sein gewissen mit Eingaben ans Ministerium, um die lebensgefährliche
Kurve entschärfen zu lassen.
Als der zuständige Ministerialdirigent Kriegbaum eines Tages
rein zufällig in die Kurvenfalle plumpst, überlebt er
wider Erwarten den Absturz. Das ist gegen die Spielregeln. Uns als
er auch noch verspricht, für die künftige Sicherheit dieser
Straße zu sorgen, wird es für Rudolf und Anton zur Existenzbedrohung.
Während ihm Anton die eigene Grabrede vorträgt, wird klar,
dass, wer überleben will, sein Wahrheitsempfinden abtöten
muss. Und so vollenden die Brüder, was die Kurve im ersten
Anlauf nicht geschafft hat. Auch Dr. Kriegbaum wird schließlich
begraben.
Tankred Dorst hat diese Stück mit seiner absurd-möglichen
Realität als Farce konzipiert und schlug vor, es „ nicht
ganz mit dem tödlichen Ernst einer lebensechten Wirklichkeit“
zu spielen.
Regisseur Horst Halser vertritt wohl eine andere Auffassung. Durchgehend
lässt er Werner Faltlhauser als Skrupulösen Anton in hochgezogenen
dramatischem Ton am Rande der Hysterie spielen und stellt ihm den
Bruder Rudolf (Witgar Neumaier) hölzern und mit ungelenker
Sprechweise als genau den „ganz Stumpfen Menschen“ gegenüber,
als den Anton ihn beschimpft. Am stärksten wirkt das gegensätzliche
Brüderpaar, einerseits genervt und andererseits schwer berührbar,
im stummen Spiel, mit dem es zu Beginn des Stücks noch einige
erwartungsvolle Spannung aufbaut. Dem optisch gut besetzten Paul
Huppertz als Dr. Kriegbaum bleibt, meist auf den Auto-Sitz-Thron
in der Mitte der Bühne gebannt, wenig Raum für die kraftvolle
Entwicklung von Emotionen. Zudem ist er in seinem sprachlichen Ausdruck
schwer verständlich. Dadurch gerät die Figur etwas blasser,
als es ihrem katastrophalen Schicksal zustünde. Dicht, dynamisch
und fühlbar bedrohlich ist endlich das Dreiergespräch,
mit dem sich der Schluss des Stücks zuspitzt.
Es ist sicher notwendig, an einer Farce mit dem bebotenen Ernst
zu arbeiten, aber ein bisschen Leichtigkeit ließe das Rabenschwarze
an der Geschichte mit mehr Schwung in die Kurve gehen.
Von Renate M. Mayer
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Echo 5.Mai 2004-11-23
Eine „Tödliche
Kurve „ im Muessaal
Tankred Dorsts Einakter gespielt vom Backstage-Theaters
Das Geschäft mit dem Tod betreiben die beiden Brüder
Rudolf und Anton: Sie wohnen am Fuß eines Felsens, von dem
ab und zu ein Auto herunterfällt, weil es die Kurve oben nicht
gut erwischt hat. Für die beiden eine „fette Beute“...
Die makabre Geschichte schrieb Tankred Dorst als Einakter, mit dem
ihm 1961 der Durchbruch gelang. „Die Kurve“ steht in
der Tradition des absurden Theaters. Der Regisseur Horst Halser
brachte das Stück mit Ensemble-Mitgliedern seines Backstage-Theaters
auf die Bühne im Muessaal in Kolbermoor. “This is the
road to hell“, die Musik zu Beginn verheißt nichts Gutes...Zur
Linken stecken Kreuze in er Erde, statt der Namen der Verstorbenen
tragen sie Autonummerschilder. Witgar Neumaier ist als Rudolf ein
„gestandenes Mannsbild“, das die Unfallwagen repariert
und verkauft. Dieser Prakmatiker hat keine Gefühle für
die Toten, wofür auch? Die „Kurve“ verschafft ihm
Arbeit und seinem Bruder, den er bezahlt, schließlich auch.
Ein bisschen eingraben, zuschaufeln, ein paar Blumen pflanzen, das
ist doch nicht viel verlangt! Bruder Anton, gespielt von Werner
Faltlhauser mit dicker Goldkette um den Hals und Goldring im Ohr,
ist schon rein äußerlich der krasse Gegenpart. Er deklamiert
emotionsgeladen aus seinen Grabreden, die er für die Begräbnisse
der Verstorbenen schreibt. Dazu echauffiert er sich über die
Gefahren der tödlichen Kurve. Seine 24 Eingaben an den zuständigen
Ministerialdirigenten Dr. Kriegbaum blieben ohne Antwort. Doch das
25. Opfer ist der Ministerialdirigent. „Spiel mir das Lied
vom Tod! Ist die Begleitmusik zur Diskussion der Brüder über
ihren „Fang“, der als erster den Fall aus der Kurve
überlebt. Sehr authentisch gelingt Paul Huppertz die Verkörperung
des Dr. Kriegbaum. Den ehrgeizigen unersetzlichen Ministerialrat,
dem im Laufe des Geschehens seine Selbstsicherheit genommen wird,
bringt Huppertz anschaulich in Mimik, Gestik und Rede zur Geltung,
während Anton und Rudolf in ihrem Wesen von der Regie stark
schwarz-weiß gezeichnet wurden.
Nach der sich langsam stark aufbauenden Spannung entsteht größte
Dichte im letztendlichen Dialog der drei Personen.
Der liebliche Jodler von Hubert von Goiserns Alpinkatze setzt dem
makabren Ende noch ein Sahnehäubchen auf. Schwarzer Humor ist
ein Wesensteil des absurden Theaters, das immer für Überraschungen
gut ist, wie diese Inszenierung von Horst Halser.
Von Margrit Jacobi
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Echo vom 3.November 2004
Über die Lächerlichkeit
des Faschismus
Backstage Theater brilliert mit „In der Löwengrube“
im Mues-Saal
Schellack-Schlager aus den 30ern als Entree, Wechsel zu spannungsgeladener
klassischer Musik, feurig leuchtende Einblendung der Jahreszahl
1933 auf die Bühnenkulisse. Das Publikum taucht ein in die
Premierenaufführung „Der Kaufmann von Venedig“
mit dem jüdischen Schauspieler Arthur Kirsch (brillant gespielt
von Martin Metzger) in der Rolle des Juden Shylock. Als dieser voller
Emotionen gesteht: „ Ich bin ein Jude“ ertönen
lautstark „Buh-Rufe“ und Pfiffe aus dem Auditorium des
Mues-Saals. Es entsteht Aufruhr im Saal, die in lautstarken Forderungen
„Juden raus“ gipfeln. Die Premierengäste der bewegten
Inszenierung des Stücks „ In der Löwengrube“
von Felix Mitterer durch das Backstage Theater fühlen sich
zurückgesetzt in die Zeit der Nationalsozialisten, sind selbst
Teil der Handlung, überrascht ob der unvorhergesehenen Pöbeleien,
geschockt und sprachlos.
Durchatmen kommt erst wieder auf, als der völlig entnervte
Theaterdirektor Meisel (Jörg Herwegh) die Vorstellung abbricht.
Eindrucksvoll gelingt es den Regisseuren Horst Halser und Michael
Schwarz, die Gefühle des Shakespeare-Ensembles in Szene zu
setzen.
Gefühle und Stimmungen, die gewiss auch das Ensemble um den
jüdischen Schauspieler Leo Reuß bewegen, dessen Lebensgeschichte
den authentischen Hintergrund des Stücks bildet.
Während der Direktor um das Überleben seines Theaters
fürchtet und daher beschließt, Kirsch sofort zu entlassen,
setzt sich die junge Olga (Christine Höhendinger) vehement
für ihren erstklassigen Schauspielkollegen ein. Strassky (
Christian Blunser) entpuppt sich als Brüllender Parteigänger
der Nazis, der die Mitläufer Polacek (Gerd Niedermayer) und
den unentschlossenen Jakschitz (Günther Makulik) ohne Schwierigkeiten
beherrscht. Aufrichtig leid tut Kirsch dem sympathischen Bühnenmeister
Eder ( Kurt Viehmann), doch auch dieser bedauert „ich habe
Familie“ und zieht sich ebenfalls zurück. Selbst die
von Kirsch innig geliebte Gattin und gefeierte Schauspielerin Helene
Schwaiger ( Susanne Braune) verlässt unter den Deckmantel „Geld
für die Familie verdienen zu müssen“ Mann und Kinder-
ihre Karriere geht der hübschen und ehrgeizigen Künstlerin
vor.
Kirsch fliegt angeblich in die Schweiz, landet jedoch bei dem hilfsbereiten
Bergbauern Höllrigl (Christian Mareth), lernt perfekt bayrisch
und beschließt als schauspielender Almbauer mit nachweislich
arischem Stammbaum als Höllrigl an seinem alten Theater Karriere
zu machen und sich an seinen Verrätern zu rächen.
Die Verwandlung Kirschs in Höllrigl gelingt so perfekt, dass
nicht nur das Saalpublikum, sondern auch Kirschs ehemaligen Schauspielkollegen
sich von dem urwüchsigen Bauernburschen, der selbst von Goebbels
als Naturtalent bewundert wird, hinters Licht führen zu lassen.
Nach und nach erkennen ihn doch Bühnenmeister, Direktor und
Schauspielkollegen. Bevor die Gestapo (Sepp Gießibl und als
Gaststar von Bayern 1, Achim Zeppenfeld) allerdings zuschlagen können,
verlässt Kirsch diesmal für immer die „Löwengrube“.
Applaus an das gesamte Ensemble, das Mitterers sehr schwieriges
Stück hervorragend gemeistert hat. Minimale Bühnenutensilien,
ein eindrucksvolles Kulissenbild, gelungene Ton- und Lichttechnik
sowie eine ideenreiche Inszenierung, die den gesamten Mues-Saal
als Bühne mit einbezog, ließen die Jahre der Machtergreifung
durch die Nationalsozialisten zum Leben erwecken, ohne jedoch den
Zuschauer in tiefe Depression zu stürzen. Vielmehr gelang dem
Backstage Theater mit dem Stück „Die Dummheit des Rassenwahns
eines totalitären und zynischen Regimes der Lächerlichkeit
Preis zu geben“, so Halser. 40 Proben waren nötig, bis
„ In der Löwengrube“ stand- doch das Ergebnis lässt
sicher manch Profitheater erblassen.
Von Claudia Sieberath
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OVB 29.10.2004
Triumph in der Löwengrube
Auch wenn die Situation und das Spiel in der Löwengrube lebensgefährlich
sind, so entbehrt es nicht der Komik, wie Arthur Kirsch als vermeintlicher
Bergbauer Höllrigl seine Schauspielerkollegen und die nationalsozialistischen
Schergen und Größen an der Nase herumführt. Felix
Mitterer bietet mit seinem Stück «In der Löwengrube»
verschiedene Möglichkeiten der Inszenierung: einmal als komödiantische
Farce vor ernstem Hintergrund, zum anderen als dramatisches Schauspiel
mit heiter-entlarvenden Sequenzen. Horst Halser und Michael Schwarz
inszenierten Mitterers Stück «In der Löwengrube»
mit dem Backstage-Theater Rosenheim im Kolbermoorer Mues-Saal, unterhaltsam
und mit Engagement, ohne sich für eine der Möglichkeiten
entschieden zu haben. Der fast zu jugendlich wirkende Martin Metzger
spielte Arthur Kirsch mit bemühter Ernsthaftigkeit: dilettantisch
als dilettierender Kleindarsteller Kirsch, dem Shakespeares Kaufmann
von Venedig, Shylock, noch eine Nummer zu groß ist, sicher
auftrumpfend als vermeintliches, bayerisch polterndes Naturtalent
Höllrigl, der seine früheren Nazikollegen durch Intrigen
der Gestapo ausliefert. Susanne Braune hatte die Rolle seiner karrieresüchtigen
und untreuen Frau Helene Schwaiger, die Kirsch mit den Kindern flüchten
lässt und sich wegen ihrer Filmambitionen mit den braunen Machthabern
arrangiert und mit Dr. Goebbels wohl mehr als nur diniert. Den glamourösen
Star zu mimen, blieb leider nur ein Versuch. Glaubhafter war sie
in den intimen Szenen der Reue, nachdem Helene ihren Mann in Höllrigl
sehr spät erkannt hatte.Voll brutaler Direktheit spielte Christian
Blunser den SA-Mann Strassky, der mit seinen Schauspieler- und SA-Kollegen,
dem unterwürfig-anbiedernden Polacek (Gerd Niedermayer) und
Jakschitz (Günter Makulik), Arthur Kirsch aus dem Theater verjagt.
Gerd Niedermayers Spiel gefällt, wenn er, von Höllrigl
selbst als Jude verunglimpft, vermeintlich jüdische Züge
an sich entdeckt und dem Suff verfällt. Günther Makulik
spielt schnörkellos den jugendlichen Theaterhelden und Liebhaber
Helenes. Ebenso ehrlich, aber bei der Premiere noch etwas unsicher
wirkte Christine Höhendinger als Olga Sternberg, die als einzige
zu Arthur Kirsch hält und sich schließlich selbst als
Halbjüdin entpuppt. Ein aufrechter Mann in der Löwengrube
ist Bühnenmeister Eder, den Kurt Viehmann ebenso aufrecht ungekünstelt
spielt.Versuchten diese Akteure ernsthaft zu schauspielern, so persiflierte
Jörg Herwegh seine Rolle als Theaterdirektor Meisel, der nur
für seine Kunst lebt und sich widerwillig mit den neuen Machthabern
arrangiert. Er machte daraus - schauspielerisch gewiss überzeugend
-die Parodie eines nervösen, verängstigten Menschen, die
jedoch der sonstigen dramatischen Anlage der Inszenierung nicht
entsprach.Mitterers Stück selbst aber vermeidet auch die logische,
mörderische Realität. Es wird wohltuend publikumsfreundlich,
beinahe märchenhaft, wenn zum Schluss Kirsch über alle
triumphiert und ihn sein Freund, der plötzlich erscheinende
Höllrigl, vor der Verhaftung rettet.Einfach, aber gelungen
war das Bühnenbild von Michael Seemeier und Anamari Ivic, das
mit einer Kulisse aus dem «Kaufmann von Venedig» einen
Bühnenraum darstellte und schließlich zum schwarzen Allzweckraum
wurde. Ebenso passten die zumeist authentischen Kostüme, für
die Veronika Herwegh verantwortlich war. Beklemmend die braunen
SA-Uniformen, aber weniger authentisch für die 30er Jahre war
die bayerische Kluft der beiden Höllrigls.Eine Besonderheit
bei der Premiere war der routiniert absolvierte Auftritt des Moderators
von Bayern 1, Achim Zeppenfeld, im Rahmen einer Theateraktion des
Radiosenders als Gestapo-Beamter. Diese Rolle wird bei den weiteren
Aufführungen von Sepp Gießibl übernommen.
Von Raimund Feichtner
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Süddeutsche Zeitung
– Oktober 2005
Kampf um Kalbshaxe und Kosakenzipfel
Backstage Theater Rosenheim führt in Haar Loriots „Dramatische
Werke“ auf
Weil sich Victor von Bülow alias Loriot mit seinen „Dramatischen
Werken“ im Hinblick auf die Konzentrationsfähigkeit des
Zuschauers an den „biologischen Rhythmus von Menschen und
weißen Mäusen“ angepasst hat, dauert keines seiner
Bühnenwerke länger als fünf Minuten. Mit elf dieser
brillianten Szenen, in denen sich der Cartoonist und Satiriker mit
so fundamentalen Themen wie Erwachsenenbildung, Ehealltag oder Kultur
und Fernsehen auseinandersetzt, hat am vergangenen Wochenende das
„Backstage Theater Rosenheim“ das Publikum im „Kleinen
Theater“ amüsiert.
Gleich zweimal, am Samstagabend und am Sonntagvormittag (mit Brunch)
strapazierten die sieben Rosenheimer Schauspieler unter der Regie
von Horst Halser mit der gelungenen Inszenierung der absurden Sketche
die Lachmuskeln der Haarer Zuschauer.
Natürlich ist es eine gewaltige Herausforderung, jene legendären
Szenen, die man so grandios von Loriot und seiner Sketchpartnerin
Evelyn Hamann aus dem Fernsehen kennt, nachzuspielen. Doch die Truppe
aus Rosenheim machte ihre Sache gut. Weil mit Kostümen, Maske
und Gestik die Typen so gut getroffen waren, die Loriot in Szene
setzt, störte das teilweise etwas bemühte „Schriftdeutsch“
der bayerischen Darsteller nicht sonderlich. In der „Jodelschule“,
bei der das Publikum gemeinsam mit Frau Hoppenstedt beim „Holleri
di dudl do“ in die Tiefen des dadaistischen Silbensalates
eintauchen durfte, passte das Idiom sowieso.
Dass ein Mann mit seiner Frau besser nicht über Politik reden
sollte, wenn diese sich gerade die Nägel lackiert („Aufbruch“)
oder dass man, wenn man Hermann heißt und einfach nur unschuldig
im Fernsehsessel sitzt, empfindlich das Putzbedürfnis der Angetrauten
stört („Feierabend“), vermittelte sich an diesem
Abend mit erschreckender Authentizität. Verfremdende Dialoge
wie von Wum und Wendelin, Wortklaubereien und ins Groteske überspitzte
Konflikte in der zwischenmenschlichen Kommunikation machen den Reiz
in Loriots „Dramatischen Werken“ aus.
Hinreißend war Paul Huppertz als Herr Hoppenstedt im Kampf
um den „Kosakenzipfel“ und als verhinderter Esser der
„Kalbshaxe Florida“ („Schmeckt´s?“),
eine artikulationsakrobatische Glanzleistung legte Fernsehansagerin
Christine Höhendinger im Clinch mit „Thaddle Nather und
Thoddle Nether“ bei der berühmten „Inhaltsangabe“
hin. Auch der Fernsehabend ohne Fernseher (Monika Richter und Christian
Mareth) oder die „Liebe im Büro“ (Christine Höhendinger
und Michael Niggl) hatte ihre grotesken Höhepunkte.
Roswitha Grosse
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OVB 2.12.2005
Mühle
der Verwechslungen
Premiere des Backstage-Theaters im Künstlerhof
Erste Voraussetzung für spritziges Boulevardtheater sind geistreich-schlagfertige
Dialoge. Meist kommen dazu Verwechslungen und größere
Turbulenzen.
Das Ganze muss man wie bei einem guten Cocktail rühren oder
auch schütteln und alles dann servieren mit Tempo, Tempo und
nochmals Tempo. Michael Schwarz hat das in seiner Inszenierung der
Komödie «Hexenschuss» unter der Produktion von
Horst Halser wohl bedacht und auf der Bühne des neuen Künstlerhofes
in Rosenheim gelungen in Szene gesetzt. Der britische Autor John
Graham ist bester Garant für amüsantes Textmaterial. Es
spielte das Ensemble des Backstage-Theaters auf farbenfroh gestalteter
Bühne mit knallroter Couch, einem giftgrünen Duschvorhang
und blauen und gelben Wänden. Hier rollt eine verwirrende Handlung
ab, die sich zielstrebig zum totalen Chaos entwickelt.
Christine Höhendinger spielt Chorsängerin Sally mit dem
Drang zum Karrieresprung und mit «telegenetischen» Eigenschaften
mit viel Engagement als eher brave Ehefrau auf mehr Um- als Abwegen
und hetzt dabei immer entnervter durch die Kulisse.
Martin Niedermeier gibt einen ziemlich verängstigten «Seitenspringer»,
dem man eher den Moralapostel als den sexhungrigen Halbprominenten
abnimmt.Natürlich darf Martin Metzger in seiner Rolle als Pilot
und Ehemann mit nicht ganz sauberer Weste eine bessere Figur abgeben,
die er im Laufe des Spiels auch immer glaubwürdiger gestaltet.
Thomas Rausch als blinder Klavierstimmer Mr. Phips bringt die enervierende
Einmischung in alle Situationen gut auf den Punkt. Dabei geht er
seiner Arbeit am Klavier kaum und auch nahezu tonlos nach.
Horst Halser mit Igelkopf-Frisur bereitet sein Part als Arzt Dr.
McKenzie und vermeintlicher Klempner viel Vergnügen und er
gibt den Spaß nahtlos ans animierte Publikum weiter. Seine
klugen Sprüche kommen aus Reader`s Digest oder von den griechischen
Philosophen.
Schwung und herrlichen Spaß bringt Susanne Braune als flotte
Stewardess Annabell ins Geschehen. Hinreißend, wie sie ihre
Erotik, ihr Temperament einsetzt, mühelos die Wirkungen der
«Zeitverschiebungen» veranschaulicht. Sie ist der «zündende
Funke» der Inszenierung.
Dagegen hat es Monika Richter in der Rolle der perfekten Managerin
Jocelyn Standing natürlich nicht so leicht, überall Vergnügen
zu bereiten, dafür bekommt sie genügend Lacher, als sie
durch die Mühle der Verwechslungen gedreht wird. Wenn am Ende
die Geschichte wieder beginnt, wie sie ihren Lauf nahm, haben sich
die Zuschauer bestens unterhalten und genau das soll gutes Boulevardtheater
ja.
Von Margrit Jacobi
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ovb
vom 1.12.2006
Zurechtgestutzes
Welttheater
Es ist schade, wenn trotz großen Engagements und großer
Mühe doch nicht das erwünschte Ergebnis erreicht wird.
Regisseur Michael Schwarz hatte sich mit seinen Akteuren vom Backstage-Theater
Rosenheim an eine große Komödie der Weltliteratur gewagt
und brachte «Viel Lärm um Nichts» von William Shakespeare
um Einiges zurechtgestutzt auf die Bühne des Rosenheimer Künstlerhofs.
Michael Seemeier lieferte mit einer dreiteiligen Drehkulisse ein
geschicktes Bühnenbild, bald Garten, Innenraum oder äußeren
Hof darstellend.Die Spieler gaben sich redlich Mühe und lärmten,
keiften, litten, rissen ihre Witze, intrigierten gar böse und
versöhnten sich schließlich. Wendet sich in der Komödie
letztlich alles zum Guten, so kann man das vom Spiel nicht schreiben,
denn die schauspielerischen Voraussetzungen für dieses große
Stück Welttheater waren leider nicht gegeben. Zu bemüht
witzig und lebendig und doch zu statisch war das Spiel, zu betont
und doch zu unsauber die Sprache, zu unsicher saß bei manchem
der Text. Bemüht waren auch die Einfälle der Regie, wie
der Reigen der Damen zu moderner Tanzmusik, die technisch brillante
Breakdance-Einlage, die Didgeridoo-Klänge beim nächtlichen
Aufmarsch.
Doch das schwierigste Problem bei einer Amateurbühne sind nicht
spielerische Unzulänglichkeiten, sondern ist die richtige Besetzung
von schwierigen Rollen bei einer begrenzten Menge von zur Verfügung
stehenden Akteuren. Susanne Braune ist zwar eine schöne Frau,
aber gewiss keine junge, etwas naive Hero, zu der der gar jugendlich-bodenständige
Matthias Winzek als Claudio passte. Christine Höhendinger spielte
mit Schwung, aber dann doch etwas zu überdreht die vermeintliche
Männerfeindin Beatrice, die sich mit dem gar nicht so galligen
Christian Mareth als Benedikt heftige Wortduelle liefert. Überfordert
war sie in ihrer Doppelrolle als Konstabler Holzapfel. So wurden
die eigentlich herrlich absurden Szenen mit dem blöden Konstabler
und seinen Wachen verschenkt. Da müssen die Pointen sitzen.
Witz entsteht erst durch Genauigkeit und Ernst. Um Heiterkeit zu
erzeugen, darf man nicht witzig sein wollen. Klaus Wiegand, augenscheinlich
ein Bühnenneuling, versuchte Don Pedro, den Prinzen von Aragon,
zu verkörpern. Martin Schönacher, weitaus versierter im
Spiel, war mit vorgestrecktem Kinn sein bös-intriganter Stiefbruder
Don John. Theaterchef Horst Halser spielte im weißen Anzug
ganz ordentlich einen mal jovialen, mal aufbrausenden Gouverneur
Leonato.
Für die weiteren Aufführungen ist den Akteuren zu wünschen,
dass sie ihre Premierennervosität noch ablegen. Dann wird's
besser werden.
Von Raimund Feichtner
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echo-Wochenblatt vom 6. Dezember
2006
„Viel Lärm um Nichts“
Backstage-Theater spielt Shakespeare
Nach seiner erfolgreichen Komödie „Der Hexenschuss“
nahm sich Michael Schwarz für seine neueste Regiearbeit in
einer textreduzierten Fassung Shakespeares „Viel Lärm
um Nichts“ vor, eine Aufgabe, die nicht zuletzt lange und
intensive Probenzeit sowie geeignete Darsteller fordert. Leider
hat der Regisseur bei der Auswahl unter den Akteuren des Backstage-Theaters
dieses Mal keine so glückliche Hand bewiesen.
Auf der Bühne im Künstlerhof in Rosenheim präsentiert
sich gut gelungen das Bühnenbild von Michael Seemeier: Vor
schwarzem Hintergrund läßt sich ein großes symbolisches
Element zu drei verschiedenen Ansichten drehen, deren Bemalungen
den jeweiligen Ort der Handlung veranschaulichen. Markus Seemeier
zeichnet für stimmige Beleuchtung. Beim nächtlichen
Maskenfest wird getanzt, geflirtet. Hip-Hop-Musik und eine rasante
und sehr gekonnte Breakdance-Nummer bringen zwar Schwung in den
Reigen der Gäste, wirken aber isoliert vom übrigen Geschehen.
Horst Halser als Gouverneur Leonato im attraktiven weißen
Anzug ist ein höflicher Gastgeber und besorgt-strenger Vater.
Von Matthias Winzek in der Rolle des frisch verliebten Claudio
wünscht man sich mehr spielerisches Engagement. Christian
Mareth als seinem Freund Benedick gelingt die Wandlung vom spöttischen
Hagestolz zum heiß Verliebten ganz gut. Christine Höhendinger
als Beatrice, sein weiblicher Gegenpart, ist lange mehr ein widerspenstiges
Käthchen, bis sie ihre Zuneigung zeigen will. Zugleich musste
sie als Einspringer im Part des zackigen Konstablers agieren.
Im Stechschritt und mit hastigem Redefluss wurde daraus hektisch
Unverständliches.
Hübsch ist die Szene mit Hero und ihrer Gesellschafterin
Margarete bei den Hochzeitsvorbereitungen. Das Spiel von Susanne
Braune und Christine Jell ist erfreulich natürlich, wenngleich
diese Hero nicht wie bei Shakespeare vorgesehen ein sehr junges
Mädchen, sondern eine schöne Frau ist. Klaus Wiegand
dagegen als Don Pedro, Prinz von Arragon, hat sicht- und hörbar
Probleme mit seiner Rolle. Wieviel dem Premieren-Lampenfieber
zuzuschreiben ist, wird sich in weiteren Aufführungen zeigen.
Margrit Jacobi
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Oberbayerisches
Volksblatt Rosenheim vom 30.11.2007
Britische Mördersuche
An die 70 Krimis, Kurzgeschichten und Bühnenstücke
schrieb die englische Autorin. Regisseur Horst Halser erwählte
für seine Inszenierung mit dem Backstage-Theater im Künstlerhof
Rosenheim das Kriminalstück «Wie in einem Spinnennetz».
Aufwendig gestaltet ist das Bühnenbild (Michael Seemeier
und Anamari Ivic eines englischen Salons mit dunkler Holzvertäfelung,
Rot gemusterter Tapete, purpurfarbenem Diwan, kleinem Sekretär,
Bridgetisch, einer Bücherwand und einem Kristalllüster.
In dieser Kulisse bewegen sich die Personen des Stückes und
zu Beginn ist da außer Clarissa Henderson-Brown (Christine
Höhendinger) , der jungen Lady des Hauses, noch eine Leiche,
die auf dem Teppich unter dem Tisch liegt. Eine recht gefasste
Mrs. Henderson-Brown stellt eine Bridge-Partie zusammen und empfängt
auch relativ gelassen ihre Freunde Sir Rowland Delahay (Ferno
Biller), Hugo Birch (Thomas Rausch) und den smarten Jeremy Warrender
(Martin Metzger). Die sollen ihr beim Wegschaffen der Leiche behilflich
sein und mit hartnäckiger Überredungskunst sind sie
dazu bereit, doch taucht da überraschend Polizeiinspektor
Lord (Christian Mareth) auf. Zwar gelingt es dem Freundesteam
noch, den Toten in ein Versteck im Haus zu schaffen, doch die
immer verstrickenderen Umstände nehmen ihren Lauf, und plötzlich
verschwindet auch noch die Leiche.Der typisch englische Humor
spielt natürlich auch eine Rolle und den in deutscher Bearbeitung
zum Tragen zu bringen, ist nicht immer leicht. Manchmal blitzt
etwas von «very british» auf in Christine Höhendingers
Darstellung von Coolness als Clarissa Henderson-Brown und in den
besonnenen, für Vernunft und Wahrheit plädierenden Ratschlägen
des Sir Rowland Delahay, den Ferno Biller in Szene setzt. Thomas
Rausch, der den ängstlich um seinen Ruf bedachten Bezirksamtmann
Hugo Birch verkörpert, darf zaudern und zögern. So einer
will beim Verhör von Nichts etwas wissen. Alert dagegen windet
sich Jeremy Warrender aus dem Netz der Verdächtigungen, den
Martin Metzger als forschen Freund und eleganten Golfer spielt.
Bewegung ins Geschehen bringt Mildred Peak, und Roselind Ebart
verleiht der Rolle Temperament und die nötige Chuzpe. Christian
Mareth als Polizeiinspektor Lord zieht die Fäden in diesem
Spinnennetz bei der Suche nach dem Mörder, aber deckt er
den Täter auf? Den Hauptpart im Stück bewältigt
Christine Höhendinger im geblümtem Kleid der Landlady,
die um keine Ausrede verlegen ist, in bewährt gekonntem Spiel.
Auch der kleine Tim Schreffl überzeugt in seinem kurzen Auftritt.
Michael Schwarz darf in einer Doppelrolle hauptsächlich stumm
agieren. Die spannende Handlung, der man etwas mehr Tempo wünscht,
bereichern Johannes Friebel, Stefan Ettinger und Sebastian Gieck
mit der stimmigen Musik.
Natürlich soll nicht verraten werden, wer denn nun der Mörder
des zweiten Gatten der ersten Mrs. Henderson war, denn den Spaß,
das bis zum Schluss vielleicht selbst herauszufinden, soll niemand
dem Zuschauer nehmen.
Am Ende konnte Regisseur Horst Halser mit seinen Darstellern den
lang anhaltenden und herzlichen Applaus des Premierenpublikums
entgegennehmen.
Margrit Jacobi
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ECHO Rosenheim vom 04.12.2007
„Wie in einem Spinnennetz“
Nicht nur der Mörder wird gesucht in dem Kriminalstück
„Wie in einem Spinnennetz“ von Agatha Christie, nein
auch die Leiche verschwindet aus dem Versteck. Regisseur Horst Halser
inszenierte die spannende Handlung mit dem Ensemble des Backstage
Theaters und brachte es auf der Bühne im Künstlerhof Rosenheim
zur Aufführung.
Wenn sich der Vorhang hebt, die auf ominöses Geschehen einstimmende
Musik verebbt (Johannes Friebel, Stefan Ettinger, Sebastian Gieck),
wird ein aufwändig ausgestattetes Bühnenbild sichtbar.
Der englische Salon eines Landhauses ist Holz getäfelt, die
Tapeten haben gemustertes sattes Rot, ein gleichfarbener Diwan,
eine Bücherwand und ein Bridgetisch, an dem die junge Lady
des Hauses Karten arrangiert, sind zu sehen. Ein edler Lüster
beleuchtet die noch friedliche Szene, - doch halt !
Auf dem Teppich unter dem Tisch liegt ein Mann. Zweifelsohne ist
er tot und die Ursache für den Besuch der Freunde (Ferno Biller
als Sir Rowland Delahay, Thomas Rausch als Bezirksamtmann Hugo Birch
und Martin Metzger als smarter Golfer Jeremy Warrender) von Lady
Clarissa Henderson-Brown (Christine Höhendinger). Sie hat die
Gentlemen um Hilfe gebeten, die Leiche muss sofort aus dem Haus
geschafft werden. Gleich wird ihr Gatte mit hohem Besuch zurückkehren.
Leider erscheint auch Polizeiinspektor Lord (Christian Mareth).
Der Tote war der zweite Mann von Henry Hendersons erster Frau. Christine
Höhendinger ist ganz die coole junge englische Mrs. Henderson
Nummer zwei. Sie findet ideenreich Ausreden für seltsame Vorgänge,
doch der Inspektor, den Christian Mareth als ruhigen, aber hartnäckig
Suchenden verkörpert, zweifelt daran.
Ferno Biller als ihr Vormund Sir Rowland Delahay vertritt glaubwürdig
den auf Ehrlichkeit bedachten Freund. Hugo Birch dagegen ist nur
auf seinen guten Ruf bedacht und Thomas Rausch gibt ihm die Figur
eines ängstlichen, Spießers. Viel beredter ist dagegen
Jeremy Warrender und Martin Metzger verkörpert ihn als alerten
und sehr smarten Burschen.
Rosalind Ebart als Mildred Peak, die Haushälterin und Gärtnerin,
bringt temperamentvoll etwas Schwung in die unterkühlte britische
Verhaltensweise und Tim Scheffl überzeugt als kleiner Stiefsohn
von Clarissa.
Jeder könnte in diesem verworrenen Spiel, das etwas mehr Tempo
vertrüge, der Mörder sein. Am Ende durften sich Regisseur
Horst Halser und seine Darsteller über den herzlichen und lang
anhaltenden Applaus des Publikums freuen.
Margrit Jakobi
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OVB vom 06.06.2008
„Tournee, Tournee“
Amüsanter Blick in Damengarderobe
Die Zuschauer sehen natürlich immer nur, was bei einem Theater
auf der Bühne passiert. Was aber vor, während und nach
dem Spiel hinter den Kulissen geschieht, deckte Susanne von Loessl
in ihrer Komödie «Tournee, Tournee» auf.
Die Autorin war extra aus Hamburg angereist, um der Uraufführung
ihres Stückes mit dem Backstage-Theater im Künstlerhof
in Rosenheim beizuwohnen.Regisseur Mike Schwarz schuf eine gelungene
Gestaltung zweier Ebenen in stimmiger Beleuchtung. Der meist bespielte
Platz ist die Damengarderobe, davor fungiert ein Laufsteg als Theaterbühne
innerhalb der Geschichte, die Susanne von Loessl amüsant und
gut beobachtet (sie ist selbst Schauspielerin) geschrieben hat.
Wenn also ein Ensemble auf Tournee durch die Lande reist, hundert
und mehr Vorstellungen zu bewältigen hat, dann passieren diverse
Pannen und Affären, gibt es Eifersüchteleien, Zank, Stress,
aber es entsteht auch ein Gefühl der Zusammengehörigkeit.
Inspizient und Tourneeleiter Siegi kommt zu Beginn aus dem Off auf
die Bühne, schleppt Requisiten und wird von der resoluten Garderobiere
Maria (Rosalinde Ebart poltert und plappert sich mit sächsischem
Akzent lautstark durch ihr «Revier) sogleich wegen seines
papageienbunten Sakkos gehänselt. Andreas Geißbauer als
Siegfried Bock hat von Beginn an Spaß an seiner Rolle und
die Zuschauer belohnen ihn am Ende mit besonderem Applaus.
«Die gefährlichen Liebschaften» von Choderlos de
Laclos werden auf dieser Tournee gespielt und die drei Aktricen
dürfen ihr Spiel auf und hinter der Bühne treiben. Inge
Gfrörer-Kötschau in der Rolle der Yvonne Nagel ist Anhängerin
der makrobiotischen Ernährung, was, wie sich später herausstellt,
einen durchaus ernsten Grund hat. Ob am Schminktisch oder als Marquise
de Merteuil, sie gibt eine gute Figur ab. Christine Höhendinger
als horoskopgläubige Claudia Knoll und Madame de Tourvel hatte
als Einspringerin schon vor der Premiere im Künstlerhof die
Karten für die Besucher zu vergeben. Dieser zusätzlichen
Belastung ist wohl auch zuzuschreiben, dass sie ihren Part manchmal
zu schrill überzog. Mit schöner tiefer Stimme aber durfte
sie in der Garderobe ihren Kolleginnen singend versichern «I
love men», was kurz vor dem Auftritt hinter den Kulissen einer
«echten» Bühne in dieser Lautstärke wohl eher
kaum passiert. Doris Loy gibt die junge Schauspielerin, die aus
ihrer Motorradkluft in das Kostüm der Cecil de Volanges schlüpft
und den anderen die Unbekümmertheit der Jugend voraus hat,
der aber die Erfahrenheit von deren Rollengestaltung fehlt. Dem
Vicomte de Valmont verleiht Horst Halser sonor Stimme, dazu ist
er als Darsteller Diego, den man nur hört, nicht sieht,«ein
Casanova mit Hormonstau», laut Aussage der Garderobiere. Französische
Textpassagen aus den «Liebschaften» sind immer wieder
eingestreut, der Flachmann kreist und hilft Lampenfieber und Hektik
zu dämmen. Natürlich darf auch eine richtige Panne, in
der zwei der Hauptdarsteller im Stau stecken bleiben, nicht fehlen.
Das ist die Chance für die bühnentext- sichere Garderobiere
Maria, den Part der Madame de Tourvel, und für den sich erst
sträubenden Inspizient Siegfried, die Rolle der Marquise de
Merteuil zu übernehmen. Beide stellen diese Figuren witzig
und gelungen auf die Bühnenbretter.
Vivaldi erklingt, dazwischen Popmusik und das Spiel im Spiel bietet
schon durch die Vorlage amüsante Passagen. Diese in strafferer
Koordinierung temporeicher zu servieren, wäre Aufgabe der Regie.
Nachdem sich der Premierenstress gelegt hat, könnte sich das
mehr und mehr einspielen.
Das Publikum jedenfalls zeigte sich angetan und sparte nicht mit
Applaus und Begeisterungsbekundung.
Autorin Susanne von Loessl freute sich mit Schauspielfreundin Helga
Lehner, Susanne Meikl, dem Schauspieler Volker Brandt und Freunden
aus München über die Uraufführung ihres Stückes,
denn mit «Tournee, Tournee» wurde zum ersten Mal eines
ihrer Bücher auf der Bühne umgesetzt.
Margrit Jakobi
echo 11.06.2008
Theater hinter und auf der Bühne
Probleme, Pannen und Emotionen finden nicht nur auf der Bühne,
sondern auch dahinter statt. Haupt-«Spielplatz» in der
Komödie von Susanne von Loessl ist die Damengarderobe eines
Tourneetheaters.
«Tournee, Tournee» heißt auch ihr Stück,
das Regisseur Michael Schwarz mit dem Ensemble des Backstage- Theaters
im Künstlerhof in Rosenheim zur Uraufführung brachte.
Die Autorin war dazu aus Hamburg angereist und etliche Schauspielerfreunde
und -freundinnen begleiteten sie.«Gefährliche Liebschaften»
von Choderlos de Laclos spielt man auf dieser Tournee. Dabei geht
es um Kuppelei, Intrige, Rache und Machtgelüste. Alltäglicher
und weniger folgenschwer sind die Gespräche und Aktionen, die
in der Damengarderobe stattfinden. Dieser gab Michael Schwarz Platz
auf der Bühne und setzt davor, als eine Art Laufsteg, die Ebene,
auf der die «Liebschaften» auszugsweise gespielt werden.
Theater also im Theater, was in so manchen erfolgreichen Komödien
ein beliebter Stoff ist.
Andreas Geißbauer gefiel als quirliger Inspizient und Tourneeleiter
Siegfried Bock. Rosalinde Ebart in der Rolle der resoluten Garderobiere
Maria Seidel mit leicht sächselndem Dauer-Redeschwall herrscht
wie ein kleiner General in ihrem Revier und enervierte mit ihrem
herrischen Ton manchmal nicht nur die drei Aktricen.Inge Gfrörer-Kötschau
als Schauspielerin Yvonne Nagel mit makrobiotischem Ess-Tick spielt
eine imposante Marquise de Merteuil. Doris Loy in der Rolle der
mit Motorrad anreisenden Meike Mohr brachte als junge Cecil de Volanges
deren Neugierde und Ängste noch nicht genug zum Ausdruck. Christine
Höhendinger, die zu ihren zwei Figuren im Stück (Madame
de Tourvel und Claudia Knoll) vorher auch noch helfend an der Kasse
des Backstage-Theaters einspringen musste, war einfach überbelastet.
So geriet der Part der Claudia, die horoskopgläubig und eheverdrossen
sich gerne außerhalb verlus-tiert, manchmal überzogen.
Als Stimme des Vicomte de Valmont fungierte Horst Halser und aus
dem Lautsprecher kamen als Diego auch seine literarisch verbrämten
Liebesschwüre.
Eine Chance für die textsichere Garderobiere und eine Herausforderung
für den Inspizienten ergibt sich, als zwei Schauspielerinnen
in einen Anreise-Stau geraten. Maria wird zur Madame Tourvel und
Siegfried zur Marquise de Merteuil, was beiden wie dem Publikum
Spaß machte. Vom Regisseur wünscht man sich eine straffere
Koordination und für die Darsteller weiterhin viel Freude an
ihren Rollen.
Die Premierenbesucher spendeten reichlich Beifall und die Autorin
Susanne von Loessl freute sich über die erste Umsetzung eines
ihrer Bücher auf der Bühne.
Margrit Jakobi
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